Sonntag, 11. Juni 2017

16 Summits

Ich bin lahmgelegt für längere Zeit. Die Alterszipperlein schlagen pünktlich mit 50 zu. Fuffzich, und ausgerechnet die Lendenmuskeln streiken, genauer gesagt die Sehnenansätze. Mit den Aussichten auf eine lange Pause verfiel ich erst einmal in tiefe Depression. Bis meine Frau sagte, sie wollte eigentlich schon immer ein kleines Wohnmobil mieten und durch die Republik tuckern. Und ich eine Route für uns überlegen musste. Mir fiel schnell ein, dass ich irgendwann irgendwo im Netz von den "16 Summits" Deutschlands gelesen habe, von den 16 Höhepunkten aller Bundesländer. In Baden-Württemberg ist das der Feldberg, ganz klar und in Bayern die Zugspitze. Aber wie schaut es in Bremen oder Hamburg? Wikipedia klärt auf:
Liste der höchsten Berge der deutschen Bundesländer
Diese Liste also wollen wir abarbeiten mit einer Variante: Die Arkenberge in Berlin sind Müll- bzw Schuttberge, wir wollen jedoch nur die natürlichen Gipfel besteigen bzw. befahren, in Berlin soll es auf den Großen Müggelberg (115 m) gehen. Eine bis zwei Stunden immerhin kann ich zu Fuß gehen, allerdings nicht steigen.
Ein Blick auf die Karte und eine Website mit näheren Infos ((hier klicken!) offenbarte, dass man diese Reise von jedem beliebigen Ort in Deutschland aus starten kann. Wir wollen in Karlsruhe beginnen. Die Routenführung ist eine elegante Rundreise durch fast alle Naturschönheiten Deutschlands, inclusive Abstecher an die Ostsee. Dabei werden die großen Ballungsgebiete Frankfurt und Ruhrpott umfahren. Der Alpinist in mir ist damit noch nicht ganz zufrieden. Drei weitere Ziele sollten dabei sein. Der höchste Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien (der Rotenfels in der Nähe von Koblenz), der nördlichste Mittelgebirgsberg Deutschlands (Stemweder Berg) und die Externsteine im Teutoburger Wald, als eine der eigenwilligsten Felsformationen der Republik.
Für mich, der ich am Liebsten von Berghütte zu Berghütte marschiere, ist das eine ganz andere Form von Urlaub. Ich wage es auch nur deshalb, dies in meinem Wanderblog zu dokumentieren, weil die höchsten Punkte schließlich und endlich doch nur zu Fuß zu erreichen sind. Demnächst mehr!

Samstag, 20. Mai 2017

Sendepause

Liebe Leser, aufgrund einer langwierigen Sportverletzung muss ich pausieren. Und damit ist auch hier Sendepause, denn es würde mich sehr frustrieren, müsste ich über das Wandern schreiben, über die Berge...
Drückt mir die Daumen, dass ich vielleicht im kommenden Herbst wieder losziehen kann.

Freitag, 17. März 2017

Auf dem heißen Stein - Weshalb die Siesta beim Wandern der Lustgipfel ist

Voller Bauch marschiert nicht gern. Das wusste wahrscheinlich schon Hannibal, als er mit seinen Elefanten über die Alpen wanderte. Vermutlich hat auch er es mit seinen Mannen und den Rüsseltieren getan: Nach der Brotzeit eine Siesta gehalten. Was mit einer Riesentruppe schiere Notwendigkeit ist, ist für den Normalwanderer der Lustgipfel. Was ist schöner, als mit vollem Bauch in der Sonne zu liegen und zu dösen? Die Bienen schwirren, die Vögel zwitschern, ab und zu zwinkert man in den Himmel, schaut den Wolken nach oder in den sanft rauschenden Blätterwald über einem. Für meine Frau und mich gehört jedenfalls eine Siesta zum Wandern elementar dazu. Notfalls steigen wir wieder ein paar Meter vom Gipfel ab, um unsere Ruhe zu haben.

Autor bei der Siesta auf Piz la Stretta
Das schönste Schläfchen hielten wir übrigens auf dem Piz Surgonda im Engadin. Wir waren allein auf diesem weitgehend unbekannten Nachbarn des Piz Julier und lagen auf einem flachen, heißen, ergonomisch geformten Felsen, dösten und hatten selige Träume. Auch ein Bänkchen auf einer Lichtung im Schwarzwald tut es, genauer gesagt: zwei Bänkchen. Den Kopf betten wir auf den Rucksack, den Rücken auf ein 30 x 90 cm großes Stück Isomatte. Für den Fall der Fälle, dass ein kühles Lüftchen weht, haben wir stets eine dünne, federleichte Fleece-Decke dabei. Nicht möglichst viele Gipfel zu besteigen, ist unser Ziel, sondern möglichst viele schöne Siestas zu halten. Deshalb reizte es mich auch nie, einen Fünf-, Sechs-, Sieben- oder gar Achttausender zu besteigen. Wo soll man denn in dieser Höhe ein angenehmes Schläfchen halten?

Mittwoch, 15. März 2017

Heimatwandern - Kraichgau

Früh im Jahr wandere ich gerne in der unmittelbaren Umgebung meiner Heimatstadt. Der Oberrheingraben liegt klimatisch günstig, die Buckel des Kraichgaus, die Ausläufer des Nordschwarzwaldes erreichen maximal 300 Metern Höhe, ebenso die "Bergdörfer" Karlsruhes, Ettlingens oder die der Kraichgaugemeinden. Es gibt mitunter schon im Februar milde Tage, später ist es hier zu warm oder gar zu heiß, um genussvoll zu wandern. Hier kann man schon in der ersten Märzhälfte die Menschen beobachten, wie sie ihre Gärten liebevoll pflegen, wie sie den Frühling begrüßen, geschäftig werden. Krokusse, Osterglocken, Schneeglöckchen, Huflattich - alles blüht. Dieser Tage wanderte ich von Weingarten (nördlich) von Karlsruhe kreuz und quer und ohne einer bestimmten Wanderroute zu folgen.
Schneeglöckchen (c) Matthias Kehle
Ich wollte irgendwie, irgendwann in Obergrombach landen, zwischen den Weinbergen Brotzeit und eine Siesta halten, auf dem Michaelsberg einen Kaffee trinken und dann weitersehen. Wandern in der Heimat hat für mich viele Vorzüge. Ich kann über die Äcker und Felder marschieren, und immer dann, wenn mir ein Weg schon bekannt vorkommt, einen Abzweig nehmen. So entdecke ich immer wieder neue Details meiner Heimat, etwa den Muschelkalk-Steinbruch Sohl nordöstlich von Weingarten, von dem ich noch nie vorher gehört hatte. Dass es im Kraichgau, der badischen Toskana, mehrere Meter hohe Felswände gibt, war für mich überraschend.
Steinbruch Sohl bei Weingarten (c) Matthias Kehle
 Wandern entschleunigt, das ist nichts Neues. Dreimal wanderte ich in der ersten Märzhälfte rund um Karlsruhe, mal allein, mal mit meiner Frau. Wie langsam die Natur erwacht, ist mir selten so sehr aufgefallen, wie in den ersten milden Märztagen dieses Jahres. Am Ende des Frühlings wird er wohl schnell vergangen sein, doch immer erscheinen die Bäume und Sträucher braun oder schwarz, obwohl ich seit zwei Wochen auf zartes Grün warte und beobachtete, wie die Frühblüher erst knospten und nun blühen. Nein, die Zeit rennt uns nicht immer schneller davon, im Gegenteil: Wer regelmäßig zu Fuß unterwegs ist, wird bemerken, wie langsam sie vergeht.

Buchempfehlung: Matthias Kehle: Badische Bergbibel -
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Badische Bergbibel

Sonntag, 27. November 2016

Weihnachtsbuchtipp: Gipfelhütten der Ostalpen

Es ist Ende November, grau und neblig, Weihnachten naht. Zeit, von der nächsten Bergsaison zu träumen oder vielleicht von einer Berghütte, die im Winter geöffnet hat. Evamaria und Primus Wecker haben endlich eine Lücke geschlossen und eine Sammlung "Gipfelhütten Ostalpen" veröffentlicht. 50 Ein- und Zweitagestouren haben sie versammelt. Was gibt es Schöneres als direkt auf einem Gipfel zu übernachten, behaglich eingekuschelt und morgens einen Sonnenaufgang zu erleben? Das Autorenpaar deckt tatsächlich die gesamten Ostalpen ab. Natürlich dürfen die Top-Gipfel wie Zugspitze (Münchner Haus) oder Hochkönig (Matrashaus) auf deutscher Seite nicht fehlen, aber auch relativ unbekannte Gebiete wie Hochschwab oder Zirbitzkogel haben die Beiden nicht vergessen. Was das Buch zu einem idealen Geschenk macht, ist der "Träumfaktor": Es gibt sie, Gipfelhütten, die in zumindest einigen der dunklen Monaten geöffnet haben und bewirtschaftet sind, auf die der Nebelgeplagte Städter fliehen kann. Als da wären etwa die Hörnlehütte in den Ammergauer Alpen oder das Wankhaus mit erstklassigem Blick auf's Zugspitzmassiv. Oder die Hochrieshütte. Oder Franzls Hütte. Oder, oder, oder.

Der Band im mittleren Format ist reich bebildert, mit Toureninfos samt Kontaktdaten, Tourenmöglichkeiten sowie Wanderkarten in ausreichendem Maßstab versehen und alles in allem vorbildlich. Es gibt sogar Hütten, die auf veritable Dreitausender gebaut wurden, etwa auf Piz Languard, dem Logenplatz für den Blick in den "Festsaal der Alpen" oder auf Monte Vioz in der südlichen Ortlergruppe auf fast 3600 Metern Höhe. Doch die sind wirklich nur im Sommer bewirtschaftet. Doch dieser kommt bestimmt!

Link zum Buch samt Beispieltour und Inhaltsverzeichnis:

Hier klicken!

Evamaria und Primus Wecker: Gipfeltouren Ostalpen. 50 Ein- und Zweitagestouren. Rother Selection, 240 Seiten, 24,90 Euro. ISBN 978-3-7633-3154-3