Montag, 10. August 2009

Grundregeln beim Wandern, Teil 1 - Das Wasser

Das Wasser der Rappenseehütte ist etwa 150 Wanderern und Bergsteigern gar nicht gut bekommen. Sie erkrankten nämlich am Wochenende an einem heftigen Magen-Darm-Infekt. So heftig, dass ein Teil per Hubschrauber ausgeflogen und an den Tropf gehängt werden musste. Die Allgäuer Zeitung berichtet Näheres.
Ich vermute, dass uns das nicht passiert wäre. Vermutlich hätten wir die Hütte am Wochenende sowieso gemieden, vermutlich hätten wir dort nur mitgebrachtes Wasser vor der Hütte getrunken und wären weitergestiegen. Als wir vor zwei Jahren in den Ötztaler Alpen waren, krochen übrigens einige viele Jünglinge gegen sieben oder acht Uhr morgens der Sonne entgegen - mit reichlich Restalkohol, wie vor der Hütte gut zu riechen war. Wären wir Gäste der Martin-Busch-Hütte gewesen, wir hätten eine grausige Nacht verbracht und wären müde und schlecht gelaunt auf den Marzellkamm oder die Kreuzspitze gestiegen. Doch nun kauten wir vor der Hütte unsere Milka-Noisette-Schokolade, tranken jeweils aus unserem 0,3-Liter-Becher Wasser und hatten unser Aufwärmtraining hinter uns: Von unserer Ferienwohnung sind wir die 7,5 Kilometer zur Hütte gejoggt. Milch trinken wir gelegentlich auf den Hütten, die gar nicht existieren könnten, gäbe es nur kauzige und durchtrainierte Wanderer wie uns, denen ein Aufstieg von der Hütte bis zum Gipfel an einem Tag zu popelig ist (alles bis 1000 Höhenmeter Aufstieg fällt unter die Rubrik Spaziergang). Außerdem riecht man bei vielen Hütten schon von Weitem: Aha, hier wird mit Fertigsoßen, ergo: Natriumglutamat gekocht, und das vertrage ich überhaupt nicht. Bei Natriumglutamat ergeht es mir wie den Gästen der Rappenseehütte.
Wasser haben wir immer reichlich dabei. Zwei Personen, drei PET-Flaschen à 1,5 Liter, macht etwas mehr als zwei Liter pro Person und Tag. An heißen Tagen nehmen wir drei Liter Wasser pro Nase mit. Unsere Siff-Flaschen, pardon: Sigg-Bottles, haben wir entsorgt. Erstens sind sie schwerer als Plastikflaschen, zweitens sind die Verschlüsse notorisch undicht und das Wasser tropft aus dem Rucksack, drittens sind sie schnell verbeult und häßlich. Bevor die PET-Flaschen häßlich werden, kassiert man bei Aldi das Pfand oder rezykliert sie ordnungsgemäß und holt sich neue. Befüllt werden die Flaschen mit ordinärem Leitungswasser - jeder Lebensmittelchemiker bestätigt, dass dieses Wasser besser ist als jedes andere, vor allem besser als Mineralwasser, das tagelang und tausendkastenweise im Außenbereich des Getränkegroßmarktes in der Sonne steht, bevor es der dicke Papa aus der Südweststadt in seinen Geländewagen hievt. Ob Leitungswasser geschmacklich taugt, ist eine andere Frage. Das Wasser im Walliser Bergsteigerörtchen Zinal beispielsweise schmeckt scheußlich, weshalb wir unser Wasser dort aus dem nächsten Lebensmittelgeschäft bezogen, was einigermaßen lästig ist, muss man doch die Öffnungszeiten beachten und mit seinen Wanderplänen koordinieren.
Beim Steigen achten wir darauf, pro Stunde etwa 0,3 Liter Wasser zu trinken. Nichts ist unangenehmer als zu wenig Wasser im Körper zu haben: Die Konzentration läßt nach, das Gehen fällt schwerer, gefährliche Passagen erscheinen subjektiv noch gefährlicher. Mir jedenfalls.
Falls die zweikommax Liter Wasser pro Tag wegen der Hitze nicht ausreichen sollten, so gilt folgende Grundregel: Kein Wasser aus Bächen oder Quellen entnehmen, die unterhalb bewirtschafteten Gebietes liegen. Das nämlich kann Keime von Tieren, Düngemittel oder andere ungeliebte Stoffe enthalten. Wenn man aus einer Quelle oder einem Bach oberhalb bewirtschafteten Gebietes Wasser entnimmt, riskiert man höchstens, stark Verdünntes, von der menschlichen Niere Gereinigtes, zu sich zu nehmen - falls Bergsteiger die natürliche Spülung genutzt und in den Bach gepinkelt haben sollten. Auch hier gilt also: Die Gunst der frühen Stunde nutzen und vor allen anderen am Berg sein!
Wasser hat gegenüber Apfelschorle oder anderen Getränken (kein Alkohol im Gebirge!) den Vorteil: Es schmeckt auch noch, wenn es mal ein paar Stunden warm ist.

1 Kommentar:

  1. Danke für diesen Artikel, Matthias. Man kann vor den Gefahren im alpinen Raum nicht genug warnen. Selbst wenn derlei Worte im Boom oder soll ich sagen: im Rausch des Massensports nur allzu gerne überhört werden. Wir haben auf unserem Südtirol-Wanderblog http://www.meoST.it einen ähnlichen Beitrag geplant. Vielleicht widmen wir der Sicherheit am Berg eine eigene Rubrik. Ich werde mich jedenfalls an deinen Aussagen orientieren...

    Beste Grüße
    Stefan

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