Sonntag, 16. August 2009

Hohloh / Zerstörungen von Wanderwegen im Nordschwarzwald

Fotos: Noch intaktes Wegkreuz und zerstörte Passage der Murgleiter/ des Westwegs(c) Matthias Kehle



Wenn ich richtig gezählt habe, stand ich auf meinem Hausberg Hornisgrinde (1164 m) bislang 37 mal, auf dem Hohloh (990 m) zwanzig mal. Ich würde gerne darüber schreiben, welche wunderbar eigensinnigen und extreme Bergkuppen das sind. Kalt und unwirsch, sind sie meist. Doch ich hätte nicht gedacht, dass ich in meinem neuen Blog zuerst über die Umweltzerstörungen und die Vernichtung prächtiger Wanderwege schreiben muss.
Den Hohloh habe ich erlebt bei sieben Grad Minus, Sturm aus Nordost, der Wind formte die Eisfahnen so, dass sie waagrecht am Geländer des Aussichtsturm wegstanden (wie dieser Fotograf auch dokumentierte). Ich habe den Berg erlebt bei Inversion mit einer Fernsicht von 250 Kilometern - bis zu den Berner Alpen. Damit ist der Hohloh der nördlichste deutsche Punkt mit Alpensicht (hier klicken). Wir haben bei schönster Frühlingswärme auf dem Kaiser-Wilhelm-Turm (der über die 1000-Meter-Grenze ragt), Brotzeit gemacht, und ich erinnere mich, dass die Wipfel der Fichten noch bis zum Rand der Aussichtsplattform ragten, bevor die Stürme Wiebke, Vivien und Lothar das Plateau des Hohloh entwaldeten. Von der Hochmoorlandschaft ganz zu schweigen, deren Schönheit die einschlägigen Touristportale der Region preisen.
Einer der schönsten Wege im Winter führt von der Teufelsmühle hinüber zum Hohloh, und zwar vor allem deshalb, weil der Weg direkt nach Süden führt und stets besonnt ist (während unten in der Rheinebene der eiskalte Nebel liegt). Abwärts nach Forbach geht es abwechslungsreich bis zu den Latschigfelsen. Falls kein Schnee liegt, kann man die Strecke joggen. Von den beiden Aussichtspunkten des Latschigfelsens und dem "Kleinen Latschig" führten steile, zum Teil felsige Serpentinen nach Forbach. Eine ideale Trainingsstrecke war dies. Mit den Wanderstöcken turnt man federleicht den Weg hinab, mehr als ein halbes Dutzend liebevoll verzierter und geschmückter Wegkreuze begleiteten den Weg. Diese hübsche Teilstrecke gehört überdies zu einem der am höchsten zertifizierten Wanderwegen Deutschlands, der sogenannten Murgleiter, außerdem zum Westweg. Es war eine der schönsten Etappen des Westweges im Nordschwarzwald. Wohlgemerkt: war. Prädikat "Premiumwanderweg" genießt die Murgleiter noch, siehe Zertifizierung des Deutschen Wanderinstituts. Bereits am 17. Juli meldete das "Badische Tagblatt":
"Die Region kann nicht mehr damit werben, den höchst zertifizierten Fernwanderweg der Republik ihr eigen zu nennen: Das Deutsche Wanderinstitut in Marburg hat der Murgleiter bei der neuerlichen Zertifizierung einen Punkt abgezogen - der Premiumweg von Gernsbach nach Baiersbronn kommt jetzt "nur" noch auf 57 statt bisher auf 58 Wertungspunkte. Die Murgleiter fällt damit in der Liste der besten Strecken-Premiumwege Deutschlands hinter den Saar-Hunsrück-Steig zurück, mit dem man zuvor punktemäßig gleichauf gelegen hatte."
Begründung, unter anderem: "dass der Wanderer auf den verhältnismäßig langen Waldstrecken weniger Abwechslung genießen könne als auf den anderen Etappen."
Die Zertifizierung gilt bis Juni 2011. Dann könnte die Murgleiter noch weiter zurückfallen, wurde doch die schöne Serpentinen-Etappe in Teilen völlig zerstört durch die intensive Forstwirtschaft. Auch hier haben riesige Forstfahrzeuge ohne Rücksicht auf Bäume, Sträucher, Felsen, Flora und Kleinfauna breite Schneisen durch den Wald gezogen und aus dem Steiglein eine breite, plattgewalzte Autobahn gemacht. Ein scheußlicher Anblick, der an die übelsten Skipisten der Alpen etwa in Obergurgl erinnert und nicht an einen der angeblich schönsten Wanderwege Deutschlands.

(Beitrag ist noch in Arbeit)

1 Kommentar:

  1. Der nördlichste Punkt mit Alpensicht ist der Hessleberg in Franken unweit von Dinkelsbühl.
    Das ist ein ganzes Stück weiter nördlich gelegen (etwa auf der Breite von Bruchsal).
    Bilder findet man z.B. hier:
    http://www.wetterzentrale.de/cgi-bin/webbbs/wzarchive2006_4.pl?noframes;read=1019310

    Stefan Kek

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