Dienstag, 25. Januar 2011

Badischer Bäder-Weg











Die einzige Gegend im Nordschwarzwald, die touristisch sinnvoll vermarktet wird, ist die um Baiersbronn und Freudenstadt. Kein Wunder, Baiersbronn ist das kulinarische Mekka Deutschlands mit der größten Sternedichte. Wobei es böse Zungen gibt, die behaupten, hier speisten nur jene Wohlhabenden, die keine Schule besuchen durften, in der man Fremdsprachen lernt. Für Wanderer gibt es eigene Wanderkarten, der "Baiersbronner Wanderhimmel" wird konsequent vermarktet. Auch der Premiumweg "Murgleiter" (die leider einiges an Attraktivität eingebüßt hat) beginnt oder endet - je nach Wanderrichtung - in Baiersbronn. Von anderen hübschen Wanderwegen ganz zu schweigen.
Doch im Nordschwarzwald gibt es zahllose herrliche Ecken, die aber kein Schwein kennt. Wohl weil die Touristik-"Spezialisten" der Kommunen nicht über ihren Tellerrand schauen können. In relativer Nähe zueinander liegen drei Bäder: Baden-Baden genießt Weltruf, Bad Herrenalb zehrt von ruhmreicher Vergangenheit, liegt aber immerhin idyllisch im oberen Albtal zwischen tiefgrünen Hügeln und markanten Sandsteinfelsen. Von hier marschiert man zwei-, dreimal über die Buckel und ist in Bad Wildbad, das nach ruhmreicher Vergangenheit einen tiefen Abstieg hinter sich und sich seit dem S-Bahn-Anschluss des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) wieder erholt hat. Überhaupt sind alle drei Bäder mit der S-Bahn bequem und günstig zu erreichen. So lassen sich Ausflüge in die nähere und vor allem weitere Umgebung unternehmen.
Weshalb fragt sich der wandernde Einheimische und Kenner der Gegend, weshalb kam noch niemand auf die Idee, diese drei Kommunen gemeinsam zu vermarkten?
Folgendes: Der Genuß- und Wellnesswanderer reist an Tag 1 nach Baden-Baden, logiert in einem der prächtigen Hotels und läßt seinen Körper in den weltberühmten Thermen verwöhnen. An Tag 2 wandert er über das Alte Schloss (mit Restauration) am Felsenweg des Battert entlang weiter auf einem von mehreren Wegen nach Gernsbach. Eine hübsche Altstadtidylle an der Murg erwartet den Schwarzwaldfreund. Am Ufer des Flüsschens läßt sich - die Tagesstrecke war nicht allzu anstrengend - das eine oder andere badische Rieslingviertele schlotzen. Tag 3 wird anstrengender, dafür wartet am Ende des Tages wieder Wellness auf den strapazierten Körper. Der Weg führt steil hinauf zur aussichtsreichen Teufelsmühle (895 m), am besten über die "Alte Weinsteige", damit die Kalorien vom Vortag wieder verbrannt werden. Auf der Teufelsmühle läßt sich prima und gut bürgerlich einkehren. Der Abstieg nach Bad Herrenalb erfolgt ebenso steil vorbei an den eindrücklichen Felsformationen des "Großen Loches". Abends gehts Schlemmen, danach in die Herrenalber Therme, abschließend genießt der Wandersmann einen seligen Schlaf. Tag 4 folgt. Durch das idyllische Albtal führt der Weg ins Hintere Gaistal (hier ist Kaffeetrinken angesagt) und den Ortsteil Zieflesberg. Ein schlecht markiertes Steiglein führt hinauf am Albursprung vorbei hinauf zum Westweg am Langmartskopf. Nun geht es gemütlich, teils auf breiten Wegen, teils auf hübschen, verwunschenen Pfaden zum 720 m hoch gelegenen Örtchen Dobel. Unterkünfte gibt es genügend, leider hat kann der Wellnesswanderer nicht mehr plantschen, denn die finanziell gebeutelte Kommune hat 2010 ausgerechnet die letzte Attraktion geschlossen, nämlich ihr Hallenbad - das einzige Minus am "Badischen Bäder-Weg". An Tag 5 geht es wenig anstrengend weiter, leider erstmal durch dichten Wald hinunter zur Eyachmühle (Kaffeetrinken), dann steil hinauf zum Eselskopf mit einigen reizvollen Aussichten zurück nach Dobel. Gemütlich führt der Weg nun über den Wildbader Kopf, dann hinab nach Bad Wildbad mit hinreißenden Aussichten auf den Ort und durch hübsche Vorgärten hindurch. Bad Wildbad ist nun die letzte Station dieser fünftägigen Bäder-Wanderung, besonders schön ist der Kurpark, wo man hübsche Bunnys ebenso beobachten kann wie alte Tanten mit Kaffeelöffeln oder Ähnlichem an den Ohrläppchen.
Na, das wär doch was, wenn er geboren würde und nicht nur hier sein virtuelles Dasein fristete, der Badische Bäder-Weg! Die Teilstrecken sind so attraktiv, dass er Chancen hätte, Premiumweg zu werden. So einfach könnte Vermarktung sein! Und für Tag 6 und 7 dieser einen Woche Nordschwarzwald hätte ich reichlich Einfälle, um dem anspruchsvollen Genußwanderer Erlebnisse satt zu bieten...

(Foto: Eyachmühle, auf dem Weg zwischen Dobel und Bad Wildbad (c) Matthias Kehle)

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