Montag, 8. August 2011

Ein lausiger Bergsommer


Wie oft trällerten wir in diesem Juli 2011 das Liedchen "Wann wird es endlich wieder Sommer?" vor uns hin.Wir waren im Wallis unterwegs und gedachten, auf den einen oder anderen Drei- oder Viertausender zu steigen. Die Weissmies wollten wir unter anderem machen, unseren ersten Viertausender. Doch wir waren logischerweise nicht die einzigen, die im Schweizer Fernsehen gesehen und gehört hatten, dass für Montag, den 11. Juli ein Zwischenhoch angekündigt war. Also keine "Chwellwulche", Schauer und Gewitter spätestens ab dem frühen Nachmittag, sondern strahlender Sonnenschein war prognostiziert. Mit Ach und Krach bekamen wir noch einen Bergführer auf's Allalinhorn. Sage und schreibe 500 Höhenmeter von der Bergstation "Metro Alpin“ zum Gipfel! Wir waren zum Glück die Ersten am Gipfel, nach uns folgten Heerscharen. Das Allalinhorn ist zwar wunderschön, vor allem die Sicht auf die Walliser Riesen, doch ausgelastet waren wir Hardcore-Wanderer an diesem Tag nicht.
Ganz nach unserem Geschmack war dann schon eher der Marsch von Saas Allmagell zur Allmageller Alp und der einsame Höhenweg nach Kreuzboden. Angekündigt waren "Chwellwulche", Schauer und Gewitter ab dem Mittag. Das Wetter hielt, wir nahmen noch das Jegihorn (3206 m) mit, eine genüssliche Blockkletterei, während sich übrigens auf dem sehr beliebten Jegihorn-Klettersteig dutzendweise holländische Kinder vergnügten, die sich dann beim Abstieg über den Normalweg, naja, sagen wir: etwas schwer taten und den Weg blockierten. Das war wohl ihr erster Ausflug über die Dutch Mountains hinaus.
Nebel, Nebel, nichts als Nebel hatten wir auf dem Monte-Moro-Pass, und das, obwohl wir bereits kurz vor acht Uhr morgens vor der Madonnen-Statue standen. Nichts mit grandioser Sicht auf die Monte-Rosa-Ostwand. Etwas mehr Glück hatten wir am Sparrhorn. Des morgens schalteten wir den Fernseher an, das Schweizer Fernsehen zeigte die üblichen Webcams. Auf dem Gornergrat schien die Sonne, auf Diablerets auch. Ab 3000 Metern also bestes Wetter! Na gut, dachte ich, das kann sich zwar ändern, versuchen wir es doch mit dem Sparrhorn - 3021 Meter hoch. Den Beginn des Wanderweges fanden wir nur schwer, so dicht war der Nebel. Auf 2500 Meter herrschte Nebel, auf 2800 sahen wir kaum die Hand vor Augen, auf 2900 Metern Nebel, Nebel, nichts als Nebel. Auf 2950 Metern schimmerte die milchige Scheibe der Sonne und einige hellblaue Löcher taten sich auf, auf 3000 Metern wurden die Löcher dunkelblau, und auf 3021 Metern strahlte uns das Aletschhorn an, von Ferne die Mischabelgruppe, das Weißhorn und das Matterhorn. Das war knapp, der Berg hätte keine 50 Meter niedriger sein dürfen.
Dass Wandern und Schnaps trinken offenbar elementar miteinander verknüpft sind, ist schon in der "Wanderbibel" nachzulesen. Diesmal hielten wir auf der Schwarzbergalpe oberhalb des Mattmarkstausees eine Brotzeit am Tisch vor der Hütte, wo ein Slowake während des lausigen Sommers elf Rinder hütete. Er gesellte sich zu uns und radebrechte, schnell standen zwei PET-Flaschen mit Selbstgebranntem auf dem Tisch, ein Apfel- und ein Kräuterschnaps mit gefühlten 90% Alkohol. Dass mir während der Siesta hundert Meter oberhalb der Hütte erste Regentropfen das Gesicht benetzt hatten, bemerkte ich erst nach dem Schläfchen. Ganz zu schweigen von dem Vollrausch, den ich hatte, als mich unser Vermieter vor der Weiterreise ins Engadin mit Grappa abfüllte. Ein ungleicher Kampf: Hier trank ein Hundertkilomann (er) ein 60-Kilo-Männchen (ich) unter den Tisch. Nichtsdestoweniger standen wir am nächsten Morgen um fünf Uhr auf, fuhren auf den Furkapass, bestiegen bei schönstem Föhnwetter das Kleine Furkahorn und reisten nachmittags weiter Richtung Engadin. Ich mit höllischen Wadenschmerzen. Was uns in der folgenden Woche erwartete, hüllen wir lieber in ein Mäntelchen des Schweigens. Regen, Regen, Regen und Schnee unter 3000 Meter. Naja, dachten wir nach drei Tagen, fliehen wir doch auf die Nordseite, da sind die Berge niedriger. Es folgte Regen, Regen, Regen und Schnee bis unter 2400 Meter. Doch eine Bilanz des Bergjahres 2011 wird erst im Oktober gezogen! Ich will nicht sehr lautstark bei Petrus klagen, neben den genannten Gipfeln stehen bis jetzt unter anderem auch der Widderstein und der Hoher Riffler im Tourenbuch 2011.

(c) Foto Matthias Kehle, Gipfelaufstieg zum Allalinhorn

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