Dienstag, 6. September 2011

Einteilung von Gipfeln















Die Gipfel dieser Welt werden nach Schartenhöhe, nach absoluter und relativer Höhe, nach Dominanz, nach Schwierigkeitsgraden eingeteilt - so ganz einfach ist das allerdings nicht. Ich pflege neuerdings meine Gipfel nach dem Grad des Andrangs einzuteilen, also von A0 bis A6. Auf einem Gipfel A0 herrscht so wenig Andrang, dass ich selbst noch nicht oben war. Aus naheliegenden Gründen kenne ich keinen Gipfel mit A0.
A1 bedeutet, dass ich bin auf dem Gipfel samt Auf- und Abstieg allein bin und keiner Menschenseele begegne. Und zwar unter standardisierten Bedingungen an einem Augustmontag bei schönem Wetter. Die 2007 Meter hohe Wetterlatte im Berner Oberland ist so ein A1-Berg - kein Wunder, sie steht im Schatten ihrer größeren Nachbarn Dreispitz, Schwalmere oder Morgenberghorn. Die Pointe mit der Morgenlatte spare ich mir.
A2 meint: Auf dem Weg zum Gipfel stößt man auf einige versprengte Einheimische, die meist auch noch beruflich unterwegs sind, also etwa Wanderwegsmarkierer. Beim Verlassen des Gipfels darf sich schonmal jemand dem höchsten Punkt nähern. Der Tafamunter Augstenberg (2489 m) im Verwall mit einem herrlichen Silvrettablick ist so ein Fall. Der Grund: Alle Welt steigt auf die benachbarte, obendrein niedrigere Versalspitze.
Ein Gipfel mit Andrang A3, etwa Piz Ot (3246 m) im Engadin, hat eine erlesene Handvoll von Kennern zu Besuch. Der Grund hier: Piz Ot ist nicht ganz einfach zu erreichen. Mäßig gut besucht ist auch der Große Moosstock (3059 m) in der Rieserfernergruppe, dereinst mein erster Dreitausender. Der Große Moosstock ist nämlich kein "Latschdreitausender", die der Dreitausendersammler nämlich zuerst sammelt, bevor er sich Torturen wie den Großen Moosstock und seinen 1400 Höhenmetern Auf- und Abstieg und Klettereien bis II antut. Gipfel A3 sind also in der Regel erstrebenswerte Berge, die allerdings nicht leicht zugänglich sind.
A4 heißt: Am Gipfel befinden sich andere Wanderer oder Bergsteiger, allerdings ist nach der Brotzeit eine Siesta noch möglich. Der exakt 3000 Meter hohe Schafkopf in den westlichen Ötztaler Alpen ist A4 oder aber gut erreichbare, aber etwas mühselige Hochmaderer (2823 m) in der Silvretta.
Ein Gipfel A5 ist überfüllt. Man bekommt einen Gipfelschnaps angeboten und muss während der Brotzeit ein Dutzendmal "Berg Heil" antworten. Der Mittagskogel (2144 m) in den Karawanken ist eindeutig A5, er ist nämlich ein prächtiger Aussichtsberg und leicht zu besteigen. Mit etwas Glück sieht man sämtliche Seen im Drautal und blickt bis in die Hohen Tauern zu Großglockner und Großvenediger. Auch der höchste Wanderberg der Schweiz, das Üsser Barrhorn (3610 m, siehe Foto) fällt in die Kategorie A5, und das obwohl man in der Turtmannhütte übernachten muss. Dass das gewisse, naja sagen wir, Unbequemlichkeiten mit sich bringt, ist in der "Wanderbibel" nachzulesen.
A6 ist die Schesaplana, ein alles überragender, eindrucksvoller und leicht erreichbarer Fastdreitausender (2965 m). A6 bedeutet: Der Gipfelschnaps ist ausgegangen, man geht leer aus und wird alle naselang von "Ihm" gefragt, ob man ein Foto "Er plus Gattin am Gipfelkreuz" machen könne.

Foto: Üsser Barrhorn (c) Matthias Kehle

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