Samstag, 8. Oktober 2011

Altes Wegerecht

Kürzlich mailte mich ein Leser (Kosmo) aus dem Nordschwarzwald an. Wir tauschten unsere Erfahrungen aus, und er wunderte sich, dass ich auch entlegene, nicht markierte Pfade kenne. Die Diskussion kam auf den Begriff "Altes Wegerecht". Kosmo erklärte mir den Begriff und schrieb einen kleinen Beitrag über seine Erfahrungen bezüglich entlegener Pfade und altes Wegerecht. Hier sein Beitrag (danke Kosmo!):

"Mit dem Begriff 'Altes Wegerecht' auf Waldwegen und Pfaden wurde ich zum ersten Mal anlässlich einer knapp vereitelten Spontanverhaftung durch Befugte konfrontiert. Er wurde vom damaligen Herbergsvater in der Halle des Naturschutzzentrums Ruhestein ausgesprochen. Allerdings nahm ich dieses etwas antiquiert und leicht martialisch anmutende Wortpaar zuerst nicht ganz ernst und steckte es als nachlässig ins Unreine gesprochene in das Genre mittelalterlicher Rollenspiele, dessen der Ausprechende, zumindest vom Äusseren her, zugeneigt zu sein schien.

Der Anlaß zur oben erwähnten beinahe Spontanverhaftung war die harmlose Frage in erwähntem Gebäude, wes Arbeit die im moorigen Zwickel zwischen Altsteigerskopf und Geisskopf deutlich zu erkennenden Grab- und Wühlspuren waren. Meine Begleiterin und ich tippten auf Wildsäue tierischer Gattung, schlossen aber die der menschlichen nicht unbedingt aus. Aber anstatt uns die Frage fachmännisch zu beantworten, wurden wir mit der barschen Gegenfrage konfrontiert, was wir da oben denn um alles in der Welt zu suchen hatten und wie wir überhaupt dort hingekommen seien, denn es handele sich ja ganz offensichtlich um wegloses, sich selbst überlassenes, mit Sperrriegeln und Warnschildern abgegrenztes Naturschutzgebiet. Das Ende vom Lied war eben jener markige Begriff des 'Alten Wegerechts' dessen recht unspektakuläre Bedeutung nun gelüftet werden soll.

Unser Waldgesetz erlaubt uns grundsätzlich die Betretung des Waldes, auch ausserhalb der Wege. In bestimmten Gebieten kann es aber zu Einschränkungen kommen, wie etwa beim 'Wegegebot' in Naturschutzgebieten und Nationalparks. Es heißt nichts anderes, als dass man doch bitte die markierten Wege benutzen soll und diese sind nicht zu verlassen. Das ist auch überaus sinnvoll, denn der erhöhte Besucherandrang in diesen Gebieten wird dadurch gelenkt und es kommt zu keinen größeren Störungen durch fehlende Ortskenntnis und die daraus resultieren Querfeldeinmärsche bei Orientierungsverlust auf allmählich zuwachsenden Wegen.

Nun gibt es aber noch die einheimischen Nutzer dieser Gebiete, die noch gut die alten, jetzt unmarkierten Wege und Pfade kennen, welche nun von der Natur allmählich zurückgefordert werden und somit kaum noch zu erkennen, wohl aber vorhanden sind. Und somit sind wir wieder am Anfang, beim Begriff des 'Alten Wegerechts', welches den Einheimischen also weiterhin die Möglichkeit gibt, sich auf den gewohnten Pfaden in sensiblem Gelände umher zu bewegen. Jedoch hört sich das alles ziemlich vage und unpräzise an, was genügend Raum für Auslegung und Interpretation lässt. Viel Erfolg also beim disputieren mit dem zuständigen Waldschütz (altdeutsch: Ranger).

Und hier noch ein passendes Zitat aus einer aktuellen Information zum nordschwarzwälderischen Streitthema Nationalpark:
'Durch ein gezieltes Angebot an attraktiven Wegen, Informationen und geführten Touren sollen die Besucher die Möglichkeit haben, unberührte Natur zu erleben, ohne ihr zu schaden. Für Einheimische gelten in vielen Nationalparken alte Wegerechte weiter.' (Der Plural von 'Park' wäre hier noch zu diskutieren)

Kleiner Wermutstropfen für Einheimische: diese müssen die väterliche Linie als ortsansässig (direkt am Gebiet angrenzende Gemeinden) bis zum Stichtagsjahr 1431 lückenlos nachweisen.

Und übrigens: Der Urheber der Torfstecherei im moorigen Gelände am Sattelplatz des Altsteigerskopf blieb mir bis heute verborgen."

Kosmo

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen