Freitag, 21. Oktober 2011

Barfußwandern light - Kondome für die Füße

Barfußwandern ist trendy, das steht so in der "Wanderbibel" zu lesen. Ein wenig googeln nach der Wandersaison 2011 verrät: Die Outdoor-Industrie hat sich etwas einfallen lassen, wer nämlich so gar keine keine Schuhe trägt, dem kann der Schuhhersteller auch kein Geld aus der Tasche ziehen. Die ursprüngliche Idee ist wohl den banalen Sandalen abgeschaut. Zwar ist der Mensch nach kurzem Training angeblich fähig, auch auf hartem Untergrund wie Beton und Asphalt verletzungsfrei zu laufen, schließlich hat der Urzeitmensch seine Beutetiere so lange verfolgt, bis diese tot aus den Latschen gekippt sind. Doch die Angst vor Glasscherben bei Barfußwanderen ist anscheinend groß. Die Firma Vibram hat deshalb "Barfuß-Schuhe" entwickelt. Was wie ein Widerspruch in sich scheint, wurde bereits 1999 erfunden - "Fingerschuhe", die den Fuß nachbauen inclusive Zehen, paßgerecht wie ein Euro-Norm-Kondom. Seit 2010 ist die Produktpalette mit reichlich Modellen vom Indoor-Gebrauch bis zu Vollneopren (Wandern im Wasser) und Leder (für kältere Tage) weltweit erhältlich. Gemeinsam ist ihnen die dünne Sohle mit angedeutetem Profil und - eben wie bei Handschuhen - Ausstülpungen für Zehen. Mehr Geh-Gefühl gibt es angeblich bei diesem Barfußwandern-Light nicht.
Auch "The Swiss Barefoot Company" läßt sich nicht lumpen und hat die "Swiss Protection Socks" auf den Markt gebracht. Natürlich grenzt man sich vom Mitbewerber Vibram ab (die Firma warnt übrigens auf ihrer Website nachdrücklich vor Fälschungen ihrer Zehenschuhe). Die Schweizer Sockenfabrikanten schreiben:
"Es gibt Schuhe, die neuerdings das Barfussgefuehl proklamieren. Schuhe können das naturgemäß nicht, denn immer trennt eine Sohle den Fuss vom Untergrund und sie schützt auch nicht vor Verletzungen: Beides kann nur die 'Swiss Protection Sock', lassen Sie sich nicht beirren."
Die TÜV-geprüften Schnittverletzungs-Verhüterli bestehen aus einem "besonderen, schnittschützenden Strickgut mit einer eingeschweißten Polyester Noppensohle".
Eine einzige Barfußwanderin mit Verhüterli ist mir in diesem Jahr übrigens begegnet, und zwar am Saulakopf in Vorarlberg. Sie hatte einen etwas verklärten, ja entrückten Gesichtsausdruck und war offenbar am Erreichen des Gipfels nicht interessiert. Sie stakste am Wanderweg entlang und empfahl mir, mit der Natur Fußkontakt aufzunehmen. Mir scheint, für den richtigen Bergwanderer sind Kondome für die Füße nichts. Sie schützen vor sportlicher Betätigung, sind doch die meisten Barfußwanderwege gerade mal ein bis fünf Kilometer lang und haben verschiedenartige Erlebnisstationen zum Balancieren, zum Waten durch Lehm, Moor oder Wasser. Wikibooks schreibt: "Diese Barfußpfade oder Barfußparks, wie sie meist genannt werden, finden häufig großen Anklang, der manchmal die Erwartungen der Initiatoren weit übersteigt. In einigen Fällen werden mehr als hunderttausend Besucher pro Jahr gezählt."
(Link zu Wikibooks)

Links:
Die Schweizer Socke
Zehenschuhe

Kommentare:

  1. Es soll ja sogar eine wunderliche Rasse namens Softwareentwickler geben, welche ganz seltene Exemplare hervorbringt, die sogar ihren Alltag völlig barfüßig beschreiten, im Winter eindeutige Spuren im Schnee hinterlassen und nur bei allerbitterster Kälte draußen schon mal Schuhe tragen, so wie andere ausnahmsweise barfuß laufen und ein verwunderter Big Boss soll angesichts solcher nackter Tatsachen mal gefragt haben, ob jemand ihn zu ihm herübergetragen hätte...

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  2. Also bei aller Liebe zum Barfußwandern, aber was soll man bitte in so einer Jahreszeit wie dem Herbst (oder sogar Winter) machen? Wir haben vor kurzem einen schönen Herbsttag im Allgäu erlebt: Also bei aller Liebe zum Barfußwandern, aber was soll man bitte in so einer Jahreszeit wie dem Herbst (oder sogar Winter) machen? Wir haben vor kurzem einen schönen Herbsttag im Allgäu erlebt: http://wandern-camping.de/wetterfeste-herbstwanderungen-durchs-herrlich-farbenfrohe-allgaeu/. Allerdings wären wir ohne Schuhe oder mit Kondomschüchen nicht sehr weit gekommen. Lusts wars dafür :)

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