Freitag, 1. Juni 2012

Lärmwandern im Bregenzerwald

Viel Schnee lag noch an Pfingsten in den Alpen. So beschloss ich, einige der kleineren Gipfel im Bregenzerwald "zu machen", die man ansonsten links liegen läßt. Wer geht schon auf die Mörzel- oder die Hangspitze, wo es doch die Braunarlspitze oder den Zitterklapfen gibt! Am Pfingstsamstag stapfte ich am Hochtannbergpass los, stieg durch steile verschneite Hänge auf den Saloberkopf und umrundete den noch teilweise vereisten Körbersee. Ein Jahr zuvor stiegen wir schon schneefrei auf den Widderstein, an diesem Tag war dessen Aufstiegsrinne noch voller Schnee. In Schröcken wollte ich meine Wanderung beenden. Von Weitem hörte ich seltsame Motorengeräusche. Schröck, lass nach, Waldarbeiten?
Je näher ich kam, desto eher stellten sich jedoch Assoziationen ein wie: Frankfurter Flughafen oder Nürburgring. Plötzlich ging es nicht mehr weiter. Zwei Feuerwehrleute hielten mich ab, die Straße zu überqueren. Die intellektuelle Elite des Kontinents hatte sich in Schröcken eingefunden und jagte mit Squads und Rennautos massenweise die alte Bergstraße hinauf - quer durch den Wald. Eine Verständigung mit den Feuerleuten war aufgrund der Lautstärke kaum möglich, ich kapierte, dass ich warten müsse, bis eine Rennpause komme. Anfangs nahm ich's mit Humor und sah vor meinem inneren Auge Rehe auf den Waldboden kauern, die ihre zierlichen Füßchen in die Ohren steckten oder ein zitternder Adler, der unter seinen Fittichen, Amsel, Drossel, Fink und Meise beschützt. Dass mir nach ca. zehn Minuten der Kragen an diesem schröcklichen Ort platzte, ist klar. Ich suchte mir lautstark fluchend einen anderen Weg nach Schröcken. Eine Viertelstunde später stand ich einige Kurven tiefer, vor mir wieder testosterongeplagte Menschen und eine Meute besoffener Unterhosenkönige an den Hängen und am Straßenrand.
Wie sagte einer von den Türstehern dieser Veranstaltung zu dem erbosten und tobenden Matthias Kehle: "Auf solche Gäste wie Sie können wir verzichten." Ja, liebe Tourismus-Manager von Warth-Schröcken. Auch ich kann darauf verzichten. Und mit mir hoffentlich viele Wanderer, die der Meinung sind, dass bei den PS-Tagen Tannberg die Natur vergewaltigt wird, nur damit ein paar Vollpfosten und Proleten ihren Spaß haben. Wenn ich Lärmwandern will, marschiere ich rund um den Nürbergring. Jedenfalls ist es jetzt vorbei mit der Meinung, in Vorarlberg pflege man einen sanften Tourismus.

Link zu PS-Tannberg

1 Kommentar:

  1. Auch ich bin in Warth gewesen - ein schöner Zufall, denn die Welt ist ja bekanntlich nicht so klein, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Vor allem in Sachen Wanderungen gibt es doch mehr Möglichkeiten, als nur in Warth unterwegs zu sein.

    Ich fand´s jedenfalls wunderschön in Warth am Arlberg, und das sage ich als Tiroler, der eigentlich an die Berge rings um ihn herum gewöhnt sein sollte. Wer will findet auch beim "Alpenblogger" ein paar Texte über Warth am Arlberg, wo auch ein paar Blitzlichter auf diesen außergewöhnlichen Ort geworfen werden.
    @Matthias: Ich finde deinen Text ganz wunderbar, vor allem die Beschreibung des "Autorennens" und deine Empfindungen dabei kann ich sehr gut nachvollziehen :-)

    Liebe Grüße
    Markus

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