Mittwoch, 27. Juni 2012

Mehr als der Weg zum besten Wurstsalat


Johannes Schweikle legte für sein zweites Buch 285 Kilometer zu Fuß zurück

Karlsruhe. „Westwegs – Zu Fuß durch eine deutsche Landschaft“ ist der Titel eines gut 225 Seiten starken Buchs, das Johannes Schweikle (52) über den Wanderweg von Pforzheim nach Basel geschrieben hat. Das Buch ist dieser Tage bei Klöpfer & Meyer erschienen. In einem Interview spricht der gebürtige Freudenstädter über sein Buch und das Erlebnis des Wanderns. Die Fragen stellte Hannes Kuhnert. Er stellte mir den Beitrag freundlicherweise zur Verfügung.

Kuhnert: Herr Schweikle, Ihr „Westwegs“ ist alles andere als ein Wanderführer, sondern viel mehr. Sie erzählen Geschichten von Menschen und Orten, zitieren Hesse, Auerbach, Eichendorff, Hebel, Mörike und Mark Twain. Wie würden Sie Ihr neues Buch einordnen?

Schweikle: Ich habe versucht, eine deutsche Landschaft im umfassenden Sinn zu erkunden. Das Buch dringt tiefer in die Geheimnisse des Schwarzwalds ein als ein Wanderführer, der den Weg zum besten Wurstsalat zeigt.

Kuhnert: Sind Sie tatsächlich die 285 Kilometer von Pforzheim nach Basel an einem Stück – natürlich in Etappen – durchgelaufen? Und haben Sie tatsächlich dabei all diese interessanten Menschen getroffen?

Schweikle: Ja. Es war herrlich, den ganzen Weg zu Fuß zu gehen – weil der Wanderer sich so langsam bewegt und deshalb so viel sieht. Beim Schreiben habe ich mir literarische Freiheiten genommen. Bei den Menschen, die dem Leser im Buch begegnen, handelt es sich teilweise um fiktive Figuren.

Kuhnert: Wie lange waren Sie unterwegs?

Schweikle: Ich bin den Westweg in 13 Etappen gewandert. Vor dem letzten Stück haben allerdings die Füße schlappgemacht und ich musste unterbrechen – Genaueres ist im Buch zu lesen.

Kuhnert: Welche Etappe, welcher Ort hat Sie besonders beeindruckt?

Schweikle: Ganz eindeutig der Schliffkopf. Er gehört zu den schönsten Landschaften des ganzen Westwegs.

Kuhnert: Sie nennen den Schwarzwald das „Zentralmassiv des deutschen Gefühls“. Ein bisschen dick aufgetragen?

Schweikle: Oh nein. Dieses Gebirge zeigt wie ein Spiegel viel von deutschen Befindlichkeiten: die Sehnsüchte der Romantik, unsere spezielle Beziehung zum Wald und zum Wandern. Fragen Sie einen Amerikaner oder einen Asiaten nach einer deutschen Landschaft – wahrscheinlich wird er den Schwarzwald nennen.

Kuhnert: Was raten Sie Wanderern auf dem Westweg?

Schweikle: Wenig Gepäck mitnehmen. Und vor dem Start nach den Ruhetagen der Hütten fragen – das habe ich am Brandenkopf mit knurrendem Magen gelernt.

Zur Person:
Johannes Schweikle (Jahrgang 1960) ist in Freudenstadt geboren und aufgewachsen, hält auch heute noch Kontakt zu Verwandten und Freunden in Freudenstadt. Er studierte evangelische Theologie in Tübingen, Jerusalem und München und lebt in Hamburg und Tübingen. Er schreibt Essays, Porträts und Reportagen für verschiedene Publikationen. Unter anderem für die ZEIT, für GEO oder den Merian. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er seinen ersten Roman unter dem Titel „Fallwind“. Es erzählt fiktiv die Geschichte des Schneiders von Ulm.



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