Dienstag, 24. Juli 2012

Knigge für Bergführer

Manchmal braucht der Normalo-Wanderer einen Bergführer. Und zwar immer dann, wenn es über Gletscher geht. Ein echter Bergführer hat einen Bart, ist braun gebrannt und auch sonst von der Sonne verwöhnt. Er ist umsichtig, geduldig, und er prahlt nicht damit, dass er schon 94 Mal auf dem Matterhorn war, und selbstverständlich beherrscht er sein Handwerk. Der popelige Wanderer, der unbedingt einmal in seinem Leben auf einem banalen Viertausender wie dem Allalinhorn stehen muss, bekommt von ihm das Gefühl, er habe etwas Besonderes geleistet. Die Höhenluft verträgt ja nicht jeder und aufrecht gehen mit Steigeisen ist eine Kunst, die Lieschen Müller mit Sicherheit nicht beherrscht.
Es gibt aber auch Schnösel. Zum Akklimatisieren stiegen wir dieser Tage auf's Walliser Breithorn. Der deutlich jüngere Bergführer war so gar kein Vorbild. Es war ein starker Raucher, der dem muskulösen Ami, dem japsenden Japaner und vor allem seinen deutschsprachigen Kunden, stets klar machte, wie gelangweilt er war. Bei jeder Pause, machte er es sich gemütlich, lümmelte sich in eine Ecke, rauchte eine Zigarette und sah auf die Uhr. Eine Ausnahme hoffentlich, aber da lobe ich mir Germi Steiner, der uns auf den Mönch führte. Er liebt seinen Beruf, und er weiß, was er für seine Gäste leistet, die womöglich lange auf die Besteigung gespart haben. Und damit er ja keinen seiner Gäste vergisst, läßt er jeden nach der Tour in sein Gästebuch schreiben. Mein Eintrag war übrigens nicht sonderlich originell. Wie sagte doch Thomas Mann sinngemäß? Ein Schriftsteller unterscheidet sich von einem normalen Menschen dadurch, dass ihm das Schreiben schwerer fällt.
Germi Steiners Website

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