Donnerstag, 20. September 2012

Buchtipp: Patrick Brauns - Gipfelglück



Es ist schon gewagt, ein Buch über "Die 50 markantesten Berge Baden-Württembergs" mit "Gipfelglück" zu betiteln. Nun gut, der Feldberg ist der höchste Berg aller deutschen Mittelgebirge und der Schwarzwald ein weltbekanntes Gebirge. Mit "Gipfelglück" verbindet man eher einen ordentlichen Alpengipfel, auf dem man bei stahlblauem Himmel eine zünftige Brotzeit und einen Gipfelschnaps genießt. Zugegeben, ich war auf vielen der Gipfel, die Patrick Brauns vorstellt. Auf dem Karlsruher Hausberg zum Beispiel, dem Turmberg, 256 m hoch. Er bietet einen schönen Blick auf meine Geburtsstadt. Glück habe ich hier noch nicht empfunden, vielleicht sollte ich dort oben im Schützenhaus mal ein, zwei gute Viertele Badischen Weins schlotzen. Das Büchlein erwähnt sogar den 153,6 Meter hohen Lauterberg, einen künstlichen Hügel, der einst ein Wasserreservoir barg. Er befindet sich im Karlsruher Zoo und überragt seine Umgebung um 40 Meter. Es ist der erste Berg, den ich im Jahr besteige, sehe ich ihn doch vom Küchenfenster aus ein paar Steinwürfe entfernt. Und im vergangenen Frühling war ich richtig glücklich, als ich auf seiner Aussichts-Plattform stand, ich hatte nämlich eine Knieverletzung auskuriert und konnte wieder Bergsteigen! Na also geht doch - für's Gipfelglück reicht wirklich ein Idiotenhügel! Als Kind genügten mir die Erdhügel auf den vielen Baustellen der Umgebung, um mich als Bergsteiger zu fühlen.
Geschichtsberge, Hausberge, Heilige Berge, Höchste Berge (um wieder "anständig" zu rezensieren) stellt der Autor vor, und zu jedem weiß er kleine Geschichten und Besonderheiten zu erzählen. Da ist etwa die Wurmlinger Kapelle, die Ludwig Uhland bedichtet hat oder der Pforzheimer Wallberg, im Volksmund "Monte Scherbelino" genannt, der aus den Trümmern der im 2. Weltkriegs zerstörten Goldstadt erbaut wurde - je ein Beispiel für einen Heiligen Berg und einen Geschichtsberg. "Echtes" Gipfelglück kann man auf den Tausendern der Schwäbischen Alb und natürlich des Schwarzwalds erfahren, wenn man nämlich die Fernsicht auf die Alpen genießen darf. Der eigenwillige Bopfinger Ipf, über dessen keltische Vergangenheit Informationsschilder aufklären, sofern man ihn bewandert und der Katzenbuckel, der höchste Berg des Odenwaldes mit seinem Aussichtsturm dürfen nicht fehlen. Mein Haus- und Lieblingsberg, die Hornisgrinde, wird gewürdigt oder der Vulkanpropfen des Singener Hohentwils, in der Tat ein äußerst markanter Berg.
Weil dem Autor dann doch mehr als 50 Berge eingefallen sind, hat er einen Anhang beigefügt mit einigen weiteren markanten oder wichtigen Bergen vom Altenberg bei Sulzbach-Laufen bis zum Weinheimer Saukopf. Ergänzt wird das Büchlein durch reichlich Fotos und den notwendigen Infomationen zu Höhe und Lage, Anfahrt, Gastronomie, Websiten und Nachbarbergen.
Dass der Autor die Berge des Ländles erst spät kennen gelernt hat, wie er im Vorwort schreibt, bemerkte ich schon beim ersten Durchblättern, als ich nämlich denjenigen Lieblingsberg im Nordschwarzwald suchte, der auf meiner Häufigkeitsliste in Sachen Besteigungen mit 30 Mal gleich nach der Hornisgrinde rangiert (etwa 50 Mal), nämlich der Hohloh mit seiner einmaligen Hochmoorlandschaft, seinen extremen Witterungsverhältnissen, seiner guten Verkehrsanbindung und damit Beliebtheit, mit seinem Aussichtsturm und zwei Rekorden: Der Hohloh ist nämlich der nördlichste Punkt Baden-Württembergs mit Alpensicht und sein Hochmoor der höchst gelegene in Deutschland. Also: Bitte in der 2. Auflage reinnehmen, dann gibt's nämlich nicht nur die Note "Eins minus", sondern "Eins mit Sternchen" für einen originellen, informativen und unterhaltsamen Band über ein Bundesland, das fast nur aus Bergen besteht.

Patrick Brauns: Gipfelglück. Die 50 markantesten Berge Baden-Württembergs. Silberburg-Verlag, 160 Seiten, 14,90 €

Link zum Verlag

P.S. Den Bodensee "Schwäbisches Meer" zu nennen, ist natürlich Unkenntnis hoch 3: Der Autor möge mal bitte die badischen Fahnen in den Kleingärten dort unten zählen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen