Samstag, 1. September 2012

Die höchsten Wanderberge der Welt

Ein Gastbeitrag von Matthias Falke

Ein beliebter Buchtitel heißt „Dreitausender mit Weg“. Das Werk von Dieter Seibert versammelt Touren, die ohne alpine Ausrüstung zu absolvieren sind. Es wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher privater "Gipfelsammlungen", reichen die darin beschriebenen Berge doch bis 3600 m in den Himmel.
Darüber hinaus gibt es in den Alpen nur noch Viertausender, die in der Regel volles bergsteigerisches Equipment verlangen, auch wenn manche als "Latsch-Viertausender" gelten.
Und Fünftausender?
Dazu muß man die Alpen verlassen. Man denkt an Expeditionen, lange Anmärsche, Zeltlager in eisigen Höhen, Sherpas, Sauerstoffmasken und erfrorene Gliedmaßen. Umso erstaunter ist der Normal-Alpinist, wenn er erfährt, dass es eine ganze Reihe „Wander-Fünftausender“ gibt. In den außereuropäischen Gebirgen reicht die Schneegrenze oft hoch genug hinauf, um auch die phantastische Höhe von 5000 und mehr Metern zugänglich werden zu lassen.
Aufstieg zum Chacaltaya, Bolivien
Von der bolivianischen Hauptstadt La Paz, die 3600 Meter hoch liegt, führt beispielsweise eine Piste zum höchstgelegenen Skigebiet der Welt. Auf 5000 Metern Seehöhe befindet sich eine Schutzhütte des bolivianischen Anden-Vereins. Und von dort aus steigt man auf einem unschwierigen Weg auf den Chacaltaya, der 5395 m Höhe aufweist. Man ist fünfhundert Meter über dem Mont Blanc, der Atem geht schwer und der Blick reicht bis zum Titicacasee.

Aufstieg zum Chacaltaya, Bolivien

Weitere Wander-Fünftausender in Südamerika sind der 5007 m hohe Pico Bolivar in Venezuela und der 5116 m hohe Illiniza Norte in Ecuador. Auch der aktive Vulkan Tungurahua (5015 m) in Ecuador kann ohne technische Schwierigkeiten bestiegen werden. Der 5822 m hohe Misti in Peru dürfte einer der gewaltigsten Gipfel dieser Kategorie sein: der Anstieg führt durch Sand und Geröll.
In Vorderasien zählen der Ararat (5165 m) in Ostanatolien und der Demavend (5604 m) im Iran zu den Bergen, die sich ohne alpine Anforderungen erobern lassen.

Aufstieg zum Gokyo Kang

Die meisten Wander-Fünftausender stehen im Himalaya. Insbesondere im Trekker-Paradies Nepal kann man eine ganze Reihe dieser "Trophäen" mitnehmen. In Sichtweite des Mount Everest lässt sich beispielsweise der Gokyo Ri besteigen, ein 5360 m hoher Aussichtsberg. Von der Alm Gokyo, wandert man in flachen Serpentinen hinauf und genießt oben den Blick auf vier Achttausender.

Aufstieg zum Doya Ri

 Noch etwas weiter hinein ins Reich der Sherpas, und man kann den 5546 m hohen Chukung Ri angehen. Am Gipfel wird die Luft dünn: Sie hat nur noch die halbe Dichte der Atmosphäre auf Seehöhe. Und doch ist es ein Wanderweg, der über die sanften Hänge der Sommerweiden bis in diese Höhe führt. Der Gipfel vermittelt eine atemberaubende Sicht auf die Ama Dablam (6850 m), wird im Norden allerdings um 3000 Meter vom Lhotse (8510 m) überragt, dem vierthöchsten Gipfel dieses Planeten.
Vom Basislager des Everest schließlich führt ein Zickzack-Weg auf den Kala Pattar (5555 m). Der höchste Berg der Welt und der Khumbu-Eisbruch, durch den der Anstieg zu ihm führt, stehen dann vor einem und weisen auch dem ausdauerndsten Wanderer seine Grenzen auf. Auf der tibetischen Seite des Himalaya läßt sich der 5330 m hohe Doya Ri unschwierig besteigen.

Aufstieg zum Kilimandscharo

Im Grunde ist auch der Kilimandscharo, mit 5895 m höchster Berg Afrikas, zu den Wander-Fünftausendern zu zählen, erfordert seine Besteigung doch weder Eisausrüstung noch Kenntnisse im Felsklettern.
Der Aconcagua (6959 m) in Argentinien dürfte der höchste Berg überhaupt sein, der auf einem Weg zu "erwandern" ist. Doch tritt die reine Höhe hier schon derart in den Vordergrund, dass es trotzdem einer Expedition bedarf, um den sturmumtosten Gipfel zu erreichen.


Danke an Matthias Falke! Der Karlsruher Schriftsteller-Kollege hat sich insbesondere im Science-Fiction-Bereich einen Namen gemacht. Er hat aber auch Bücher und Reportagen zu alpinen Themen publiziert.
- Rongbuk - Kloster am Everest
- Sajama - Boliviens höchster Berg

(c) Text und Fotos Matthias Falke. Die ersten beiden Fotos sind dem Band "Sajama - Boliviens höchster Berg" entnommen, das dritte und vierte aus "Rongbuk - Kloster am Everest".

1 Kommentar:

  1. Wenn es einem gelingt, den Gesteinsbomben, Aschewolken und
    Lavaströmen auszuweichen, dann ist die Besteigung des Tungurahua zurzeit tatsächlich "ohne technische Schwierigkeiten" zu bewältigen...
    Gruß,
    Martin Huber

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