Mittwoch, 10. Oktober 2012

"Nationalpark fördert die regionale Wirtschaft"

Fast alle wissenschaftlichen Untersuchungen sehen positive Effekte durch neue Großschutzgebiete

Badische Neueste Nachrichten, 6. Oktober 2012. Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers Rainer Haendle (herzlichen Dank!)

Ein Nationalpark schafft zusätzliche Arbeitsplätze und kurbelt den Tourismus an – zu diesem Ergebnis kommen fast alle wissenschaftliche Expertisen über vorhandene Großschutzgebiete, wie eine europaweite Auswertung im Auftrag des Landtags von Nordrhein-Westfalen ergab. Das Fazit der Sammelstudie des parlamentarischen Beratungs- und Gutachterdienstes: „Die Untersuchungen kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass durch die Nationalparke die regionale Wirtschaft erheblich gefördert wird.“ Insbesondere der Tourismus und der Dienstleistungssektor würden profitieren, heißt es in der im Jahr 2006 erstellten Übersicht über die regionalökonomischen Effekte von Großschutzgebieten in Deutschland, Großbritannien, Österreich und der Schweiz. Die Analyse wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in das Gutachten der international renommierten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse- Coopers (PwC) über den geplanten Nationalpark Nordschwarzwald einfließen.
In der sehr emotional geführten Auseinandersetzung um ein Großschutzgebiet auf dem Kaltenbronn und rund um den Ruhestein warnen die Gegner vor Arbeitsplatzverlusten in der Holz- und Sägeindustrie und sprechen von einer „Vernichtung von Volksvermögen“. Im Gegensatz zu anderen vorhandenen Nationalparkregionen sei der Nordschwarzwald nicht strukturschwach, deshalb werde es keine positiven Effekte für die Regionalwirtschaft geben, so die Argumentation der Gegner, die sich im Verein „Unser Nordschwarzwald“ zusammengeschlossen haben. Auf ihrer Homepage erklären die Park-Kritiker allerdings, der Tourismus im Nordschwarzwald sei „bestens aufgestellt“. Experten sprechen dagegen mit Blick auf den teilweise katastrophalen Rückgang der Übernachtungszahlen von einem „schleichenden Siechtum“. Ob Dobel, Enzklösterle, Bad Wildbad oder Forbach – alle betroffenen Gemeinden haben im Fremdenverkehr in den vergangenen Jahrzehnten erheblich Federn lassen müssen. Selbst das Flaggschiff Baiersbronn hat bei den Übernachtungen einen Rückgang von 1,2 Millionen auf 750 000 zu verkraften.
Sollte das PwC-Gutachten Anfang kommenden Jahres zu dem Schluss kommen, dass sich ein Nationalpark im Nordschwarzwald positiv auf die Regionalökonomie auswirkt, hätten die erbitterten Gegner des Projekts einen deutlich geschrumpften Argumentationsspielraum. Seit der Sammelstudie im Jahr 2006 sind weitere Untersuchungen veröffentlicht worden. Besonders interessant ist die Expertise von Hubert Job aus dem Jahre 2008 über den Nationalpark Bayerischer Wald als regionaler Wirtschaftsfaktor. „Der ausschließlich durch den Nationalpark motivierte Tourismus sorgt in der Region für ein Vollzeitbeschäftigungsäquivalent von 456 Personen ... während die Nationalparkverwaltung etwa 200 Vollzeitarbeitsplätze unterhält“, lautet das Fazit des Gutachters. Insgesamt würden durch das Großschutzgebiet 1 139 Arbeitsplätze gesichert. Und weiter: „Eine Gegenüberstellung der Kosten und Nutzen des Nationalparks zeigt, dass der vom Nationalpark ausgehende Nutzen die mit der Ausweisung entstandenen Kosten mehr als kompensieren kann.“ Aus dem vergangenen Jahr stammt eine Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger über den geplanten Nationalpark Teutoburger Wald. Auch hier kommen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass ein möglicher Verlust von Arbeitsplätzen in der Holzindustrie mehr als wettgemacht würde durch neue Jobs in Tourismus, Dienstleistung und Verwaltung. Weil in der dortigen Bevölkerung erhebliche Ängste vorhanden seien, sehen die Berger-Experten die Kommunikationspolitik „als größte Herausforderung für das Gelingen des Nationalparks“. Unterdessen haben die Befürworter in den Nationalpark-Gemeinden des Nordschwarzwalds mit der Verteilung einer 36-seitigen Broschüre an 135 000 Haushalte begonnen, in der sich auch Ministerpräsident Kretschmann für das Vorhaben einsetzt. Hinter dem Projekt stehen der Naturschutzbund und der Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald.

1 Kommentar:

  1. Hallo!

    Ich kann das alles nur bestätigen. Ich mache Führungen im Nationalpark Bayerischer Wald. Da frage ich die Führungsgäste gerne mal,wieso sie hier sind. Die Antwort ist eindeutig: Weil es ein Nationalpark ist. Wenn es keiner wäre, würden sie nicht kommen. Weil, einen "normalen" Wald haben sie zu Hause auch. Damit fördert ein Nationalpark auch eine Region wirtschaftlich(abgesehen von den ökologischen Aspekten).

    Natürlich fördert so ein Wald-Nationalpark auch Ängste. Schließlich muss man sich damit von gewohnten Waldbildern verabschieden. Und alles was neu ist, macht Angst. Wenn man den Menschen Zeit lässt, gehen sie irgendwann auch mit. Wenn sie im Laufe der Zeit sehen, dass es der Wald von alleine schafft, zu wachsen und sich zu erneuern. Uns Menschen braucht er dazu nicht.

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