Montag, 12. November 2012

"Die Schwarzwaldhochstraße hat eine Zukunft" - Tourismus an der B500 auf Berg- und Talfahrt

Meine Tageszeitung, die "Badischen Neuesten Nachrichten", berichten in der letzten Zeit viel über den Niedergang des Tourismus im Nordschwarzwald und die Chancen, die ein Nationalpark eröffnen könnte. Redakteur Rainer Haendle wanderte kürzlich den Westweg und brachte folgende Reportage "mit nach Hause", die am 2. November in den BNN erschien. Herzlichen Dank (wieder mal) an Rainer Haendle:

"An Tagen wie diesen wird die Erinnerung an die goldenen Zeiten im Höhengebiet wach: Die Schwarzwaldhochstraße wurde am vorvergangenen Sonntag von sonnenhungrigen Ausflüglern aus dem nebelverhangenen Rheintal regelrecht gestürmt. „Das war gigantisch“, sagt Hotelier Alois Ritter, „da waren alle Betriebe hier oben rappelvoll“. Ende des 19. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war der Nordschwarzwald extrem „in“, die damals auch als Kurhäuser bezeichneten Höhenhotels wurden in dieser Blütezeit von prominenten und zahlungskräftigen Gästen aus nah und fern bevölkert. Seitdem hat ein schleichendes Siechtum entlang der B 500 eingesetzt, die Panoramastraße muss bis auf den heutigen Tag immer wieder touristische Rückschläge einstecken.
Doch es gibt auch positive Signale, wie ein BNN-Streifzug durch das Gebiet zeigt.
Zunächst aber die Negativmeldungen: Der imposante Hotelbau in Hundseck, vor gut einhundert Jahren beliebter Treffpunkt der feinen Baden-Badener Gesellschaft, wird demnächst Bekanntschaft mit der Abrissbirne machen. Wegen akuter Einsturzgefahr haben die Behörden bereits die angrenzende Straße abgesperrt. Der Niedergang des vom Baden-Badener Kunsthallen-Architekten Wilhelm Vitalli entworfenen Gebäudes ist symptomatisch für die Talfahrt des Fremdenverkehrs auf den Höhenzügen. Nach dem Krieg von französischen Truppen genutzt, ging das Hotel 1957 an die Ruhrknappschaft, fortan genossen Bergarbeiter aus dem Westen die saubere Luft der Schwarzwaldhöhen in dem zur Kurklinik umgebauten Areal. Mit der Talfahrt des Bergbaus endete auch dieses Kapitel im Jahr 1982. Alle weiteren Pläne – mal ging es um eine Sekte, mal um die Unterbringung von Asylbewerbern oder ein agrotouristisches Hotel –
zerschlugen sich, während Stürme die Bausubstanz immer weiter ruinierten. Derartige Geschichten gibt es viele entlang der B 500: Vom längst abgerissenen Hotel am Ruhestein bis hin zur Kurhaus-Ruine am Sand. Auch die zwischenzeitlich von Max Grundig und später von SAP-Gründer Dietmar Hopp reaktivierte Nobelherberge Bühlerhöhe
ist in einen gefährlichen Dornröschenschlaf versunken, die neuen ukrainischen Eigentümer haben das Interesse an dem seit zwei Jahren geschlossenen Schlosshotel wohl verloren. „Ohne Betrieb geht die Substanz ganz schnell kaputt“, sagt ein Experte. Doch bei all dem Schatten gibt es auch zunehmend Licht und Zuversicht auf der berühmten Hochstraße zwischen Baden-Baden und Freudenstadt. An der Zuflucht auf Höhe von Bad Peterstal und Kniebis hat der Unternehmer Alois Ritter mit Millionenaufwand das zuletzt fast drei Jahrzehnte als Jugendherberge genutzte Gebäude wieder in ein Hotel zurückverwandelt und in dieser Woche offiziell eröffnet. Ohne eigene Sicherheiten hätte er keine Bank für das Projekt gefunden, räumt der Bad Teinacher im BNN-Gespräch unumwunden ein. Ritter ist sich dennoch sicher: „Die Schwarzwaldhochstraße hat eine Zukunft“. Mit seinen 120 Betten in 46 Zimmern zielt er auf den Drei-Sterne-Superior-Bereich. Weil das Traditionshaus direkt am populären Westweg liegt, bietet der Hotelier auch einfache Herbergszimmer ab 35 Euro an. Als positive Beispiele für einen neuen, sehr erfolgreichen Höhentourismus gelten auch die abgebrannten und dann wieder neu aufgebauten Hotels am Schliffkopf und Mummelsee. Die Konzepte der Betreiber finden bei den Gästen viel Anklang. Rund zwanzig Gehminuten von der Schwarzwaldhochstraße entfernt liegt abseits allen Trubels mitten im Naturschutzgebiet die 1924 bis 1926 erbaute Darmstädter Hütte in über 1 000 Metern Höhe, die nach dem Pächterwechsel im vergangenen Sommer ebenfalls wieder erblüht. Die neue Chefin Christel Trayer und der Hüttenbauverein haben kräftig in das Gebäude investiert, seit der Übernahme im vergangenen Sommer kurbelt die Baiersbronnerin auch das eingeschlafene Übernachtungsgeschäft wieder an. In der urigen Hütte am Rande des Hochmoores zwischen Wildseeblick und Altsteigerskopf wurde der Freundeskreis für den Nationalpark im Nordschwarzwald aus der Taufe gehoben. Von diesem Vorhaben erhoffen sich viele Gastronomen und Hoteliers entlang der B 500 kräftigen Rückenwind, auch wenn sie dies mit Blick auf die Widerstände in den umliegenden Gemeinden meistens nur hinter vorgehaltener Hand sagen. „Der Tourismus wird von einem Nationalpark hier oben auf jeden Fall profitieren“, erklärt einer der Hotelchefs im BNN-Gespräch."

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