Sonntag, 3. Februar 2013

Wandern durch Minengelände - Cabo de Gata

Beate Rygiert und Daniel Oliver Bachmann sind zwei großartige Autoren und Filmemacher und ein liebenswürdiges Kollegenpärchen. Aber wandern? Das konnte ich mir bei den Beiden bisher nicht vorstellen. Nun machen Beate und Daniel das einzig richtige: Sie verschwinden im Winter nach Spanien. Und sie wanderten erstmals. Mit Sandalen. Hier Daniels Bericht (merci!):

Wenn Nichtwanderer wandern gehen, haben Sie beste Chancen, in der "Wanderbibel" von Matthias und Mario zu landen oder in seinem Wanderblog. Als abschreckende Beispiele versteht sich. Weil wir aber nun mal hier sind, und außer uns sonst keiner, haben wir uns dazu breit schlagen lassen, doch einmal die Sandalen zu gurten (andere Schuhe haben wir nicht). Hier: Das ist das Cabo de Gata, wahrscheinlich der einzige Naturpark Spaniens an der Mittelmeerküste. Was heißt: (Fast) keine Hotels bis direkt ans Meer, keine Bungalowgeisterstädte wie nördlich und südlich vom Cabo, und dafür tatsächlich ein Wanderparadies. Sagt zumindest der Prospekt, der vor uns liegt. Wir sind schon das dritte Jahr hier unten, jeweils zwei bis drei Monate im Winter, aber diesen Prospekt schauen wir zum ersten Mal an. Beate, meine nichtwandernde Ehefrau, deutet mit dem Finger mitten rein ins Cabo und sagt: „Rodalquilar. Lass es uns da probieren mit der Wanderlust.“ Da ist eine gute Idee. Erstens liegt der Ort im Herzen des Parque Natural. Zweitens wurden ganz in der Nähe Meilensteine der Filmgeschichte gedreht wie „Lawrence von Arabien“ und „Conan der Barbar“. Drittens kenne ich ein dort ein Restaurant, das morcilla serviert, die andalusische Blutwurst, die mit Mandeln verfeinert wird, dazu Hauswein von ganz ähnlicher Farbe. Und viertens gibt es dort einen Sendero, wie die Wanderwege landauf, landab heißen, und das bedeutet Hinweisschilder, und Hinweisschilder bedeutet für Nichtwanderer ohne Karte und GPS so etwas wie Sicherheit. ¡Vámonos!  Rodalquilar ist ein ehemaliges Minenstädtchen, und als gebürtigem Schwarzwälder schlägt mein Herz höher, wenn Menschen Löcher buddeln um zwischen Gold und Silber die Geister der Erde zu beschwören. Hier sind die Löcher etwas größer, genau genommen sind es Minen von gigantischem Ausmaß. Der Wanderweg führt mitten durch, und beschert wunderbare Einblicke auf die freigelegten Gesteinsschichten. Auch lohnt es sich, links und rechts vom Weg die Augen aufzuhalten. Das Cabo ist ein Paradies endemischer Pflanzen; wer Spaß daran hat, auf botanische Entdeckungstour zu gehen, ist hier bestens aufgehoben. Nach acht Kilometer ist der Rundgang zu Ende. Nur wenige der rund ein Dutzend Senderos im Naturschutzgebiet dauern länger. Das hat ein Grund, und der liegt immer am Ende bereit. El restaurante wartet auf uns müden, hungrigen und durstigen Nichtwanderer, die am Ende des Tages feststellen müssen: Die Sache kann Spaß machen. Irgendwann. Wenn wir mal Rentner sind. Oder Besitzer von Wanderstiefeln. 



(c) Text und Fotos: Daniel Oliver Bachmann 
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