Donnerstag, 11. April 2013

Winterwandern im Berner Oberland


Wenn ich die Jungfrau ein halbes Jahr nicht gesehen habe, kriege ich schlechte Laune. Anders formuliert: Ich war schon als kleiner Junge im Berner Oberland und habe "Heimweh". Deshalb fahren wir jedes Jahr über Ostern nach Wilderswil. Aber was macht man, wenn noch eine Menge Schnee liegt, was an Ostern meistens der Fall ist? In diesem Jahr hieß das vor allem: Auf besseres Wetter warten. Wir warteten am Karfreitag, wir warteten am Ostersamstag, wir warteten am Ostersonntag. Und schließlich kam er, der Ostermontag. Mit Traumwetter! Ein glasklarer Tag mit blauem Himmel. Doch, wo findet man im Berner Oberland Winterwanderwege? Auf dem Markt ist ein "Wanderbuch Schneepfade im Berner Oberland" des Vereins "Berner Wanderwege", einer der berühmten gelben Wanderführer. Schneeschuhpfade gibt es inzwischen en masse, doch längere Wanderwege sind selten, Wanderwege, die einen Ostermontag mit Sommerzeit ausfüllen. Von Grindelwald führt ein Weg auf den First, vom First weiter auf's Faulhorn, und wer den Schlitten dabei hat, kann vom Faulhorn bis nach Grindelwald rodeln, mit sage und schreibe 15 Abfahrtskilometern der längste Rodelweg Europas. Angeblich, versteht sich. Von Adelboden führt ein Weg nach Sillerebühl, von Stock/ Sunnbühl oberhalb Kanderstegs einer zum Gemmipass, und auch rund um den Hasliberg gibt es ein paar mittlere Wanderwege - in schneearmen Spätwintern kann man bis auf den Gibel (2035 m) steigen.
Unser Lieblingsweg führt jedoch von Beatenberg-Waldegg auf's Niederhorn. Am Ostermontag um 10 sind wir los marschiert, vier Stunden dauert der Aufstieg bis zum Niederhorn auf gut gewalzten Wegen. Winterwandern hat hier einen Vorteil: Man braucht nicht auf den Weg zu achten, der platt ist wie eine Autobahn und kann das große Panorama vom Titlis bis zum Montblanc genießen. Immer mehr große Berge tauchen auf. Und wann kann man schonmal Brotzeit auf dem Dach machen? Jedenfalls staksten wir durch den Schnee auf ein Dach der Alpe Unterburgfeld und ließen uns auf der abgetauten Südseite brutzeln. Auf dem Niederhorn war natürlich noch Skibetrieb. Beim Kaffeetrinken durften wir feststellen, dass wir den Altersdurchschnitt inzwischen erhöhen. So allmählich muss ich mich wohl mit dem Gedanken abfinden, dass das Jahr näherrückt, in dem ich den Kids nicht mehr davonrenne beim Bergwandern... Vom Niederhorn führt übrigens ein kürzerer Winterwanderweg zurück nach Beatenberg. Drei Spuren hat die Schneewalze angelegt. Die linke für Rodler, die mittlere für Wanderer und die rechte für Skifahrer. So penibel sind nur die Schweizer.

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