Dienstag, 11. Juni 2013

Für Wanderer ungeeignet - Der Königsstuhl bei Heidelberg


Zum Gipfel fährt die längste Standseilbahn Deutschlands. Es herrscht ein Betrieb, wie bei der Zugspitzbahn, doch die meisten Touristen fahren nur bist zur Station "Schloss". Das ist nachzuvollziehen, denn der Königsstuhl ist kein sonderlich attraktiver Berg. Die Aussicht ist um Klassen schlechter als vom Philosophenweg, der Berg ist dicht bewachsen und mit Sendeanlagen verspargelt. Gut, für die Kleinen gibt es ein Märchenparadies und für Astronomiefans die Sternwarte. Und für Mountainbiker gibt es attraktive Wege, auf denen sie zu Tal donnern dürfen. Sie sind sogar teilweise ausgeschildert. Sinngemäß: "Bitte schieben Sie Ihr Mountainbike soweit durch den Wald, bis der angelegte Trail beginnt." Klar, dass sich daran kein Mountinbiker hält. Klar auch, dass der steile Königsstuhl geradezu herausfordert, auch an anderen Stellen durch den Wald zu bretzeln. Absoluter Höhepunkt, als ich vor einigen Wochen auf dem Gipfel war: Vier Jungs -  Hängebauchradler -, die ihre "Sport"-Geräte in einem Autoanhänger auf den Gipfel fuhren. Jeweils drei donnerten runter, der vierte fuhr die Autostraße zurück nach Heidelberg und sammelte die Kollegen samt Fahrrädern ein, um sie wieder nach oben zu karren. Nummer vier durfte beim nächsten Mal wieder mitmachen, der Fahrdienst ging reihum. Ich bin mit der Seilbahn wieder hinunter gefahren, weil es mir zu gefährlich war. Ich rate Wanderern vom Königsstuhl nachdrücklich ab. Es sei denn, sie nehmen einen der breiten Güterwege. Das Forstamt Heidelberg schrieb mir in einer Mail unter anderem:
"Die Stadt Heidelberg hat deshalb das Ansinnen eine Mountainbikekonzeption in unserer Region umzusetzen, unterstützt und ist auch bereit auf einer Waldfläche, das Free-Riden als 'private Nutzung' zu gestatten. (...) Zur Ausweisung von Mountainbikestrecken hat die zuständige Forstabteilung im Landschafts- und Forstamt den amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutz, die Jäger und Sportinteressierten zu Gesprächen gebeten und mit ihnen zusammen und mit der von den Naturparken beauftragten Firma Tour Konzept ein Streckenkonzept erstellt, welches vor wenigen Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Dabei ist es erforderlich zu berücksichtigen, welche Strecken bereits heute genutzt werden, wie Verbindungen geschaffen werden können, wie Konfliktbereiche umgangen werden und dem Naturschutz und der Jagdausübung Rechnung getragen werden kann. Ca. 10% der Strecke soll auf Wegen sein, die laut Gesetz nicht befahren werden dürften, aber für die Akzeptanz der Nutzer erforderlich sind. Das Streckennetz ist mit Markierungen ausgestattet und es werden Mountainbikekarten erstellt, die die Strecken überregional darstellen. Nachdem wir nun diese Konzepte umgesetzt haben, werden wir mit Kennzeichnungen von Wegen, die nicht befahren werden dürfen fortfahren. Auch soll ein Faltblatt zu diesem Thema zusammen mit den Fahrradverbänden und den Fahrradgeschäften erstellt werden. Wir setzen in Heidelberg mehr auf die Einsicht und die konstruktive Zusammenarbeit, wohlwissend, dass wir damit nicht jeden erreichen werden."

Kurz und gut: Es gibt derzeit keine Wanderwege, die für Mountainbiker explizit tabu sind. Beim gegenwärtigen MTB-Betrieb muss vom Königsstuhl abgeraten werden. Es ist ein Paradies für Mountainbiker und die Hölle für jeden Wanderer, der nur halbwegs seine Ruhe haben möchte.

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