Sonntag, 9. Juni 2013

Wandern in Irland


Küste

Wenn man in einer von Vögeln durchschwirrten, parkähnlichen Idylle sitzt mit Blumenzonen und Naturwiesen und seltenen Bäumen (Küsten-Sequoie), und dazu Anschluss hat an einen einsamen, klaren See (Annaghmakerrig Lake), dann – zumal in Irland gerade untypischster August-Juni herrscht – kann es nur einen Grund geben, das Nest zu verlassen: Das Meer.
Beziehungsweise zwei: das Meer einerseits, andererseits Berge. In Irland kann man ja gut und gerne beides zusammen haben.
Als Resident in der nordöstlichen Mitte der Insel (County Monaghan) entschied ich mich gegen die mit Nimbus beladene Westküste und nahm den kürzeren Weg zur Cooley Peninsula, die sich leicht nordöstlich von Dundalk in die Irische See schiebt, etwa auf halben Weg zwischen Dublin und Belfast.
Die Nähe der etwas größeren Stadt ist schon gleich nach der Abfahrt vom Motorway überhaupt nicht mehr spürbar.
Direkt auf der vorderen Landzunge ist die Halbinsel flach, beziehungsweise fällt mäßig von eher Hügeln zum Meer hin ab.
Schafe, Kühe, Pferde. Die Koppeln zur Zeit im allgegenwärtigen Grüngelb aus Gras und Butterblumen. Zu den aufsteigenden Bergen im Westen hin auch Ginsterfelder. Da und dort die Bänder des Weißdorns in voller Blüte, Weiße. Vereinzelt noch Flieder, Goldregen, Kastanien, Schneeball, schon Bärenklau.
Es fühlt sich an, wie noch einmal den Turbofrühling zu erleben, der in Deutschland vor dem großen Regen kam.
Die Küste, die man auf dem Weg zum gewählten Berg (Slieve Foye, 588 m) jederzeit über country lanes erreichen kann, ist vor allem kiesig und steinig und bildet kleine bis mittlere Steilküsten aus.
Carlingford ist der Ausgangspunkt für die Wanderung. Ein kleiner Ort mit vier fünf Straßen, im Zentrum Restaurants und Pubs und Läden eher für Besucher, aber auch an einem Samstagnachmittag bei Hochsommerwetter eher intim, eher lauschig.
Slieve Foye

Ein Sightseeing-Schönheit ist die Ruine von King John’s Castle, um 1200 erbaut, das in Stil und Material gut mit der Kirche und einer Kirchenruine korrespondiert.
Was man gut sieht, wenn man auf dem Táin Trail schnell ein-zweihundert Höhenmeter macht.
Folgt man dem Slieve Foye Looped Walk nordwestlich, geht es zunächst einen von Steinmauern gefassten Weg durch Koppeln, auf denen das bereits erwähnte normalverteilte Nutzvieh seinen Obliegenheiten nachgeht. Ich sah ein für die Jahreszeit viel zu dick beflaggtes Schaf einen Stein bemaulen und zwei Pferde einander die Flanken lecken, interessierte mich aber noch stärker für den Weg, der recht lange durch zwar keinen Urwald, aber doch einen recht schön unaufgeräumten, betagten Nutzforst führte. Hier auch erstmals Kontakt mit dem Common Bluebell, dem Gewöhnlichen Hasenglöckchen – bisher war ich (in der eingangs erwähnten Idylle), nur dem Spanischen Hasenglöckchen begegnet, dessen Art, die Blüten nach allen Richtungen auszubilden, mir das schöne Wort allseitswendig beschert hat.
King John's Castle

Der Weg führt fast ohne Höhenschwankungen durch den Wald – und erlaubt dann und wann einen phänomenalen Blick auf den Sund, der die Cooley Mountains von den Mountains of Mourne trennt, die an drei Stellen die 2000 m durchstoßen, Slieve Donard geht an die 2800 m.
Nach geschätzt zwei Kilometern gewinnt man dank einer neueren Rodung/ Aufforstung freie Sicht auf den Sattel des Barnavave und auf den Foye.
Da kann man nun hinauf oder zurück.


(c) Text und Foto: Ron Winkler, im Juni 2013 Resident im Tyrone Guthrie Centre at Annaghmakerrig, Co. Monaghan. Danke Ron Winkler!

Ron Winkler ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Lyriker. Zu seiner Website: hier klicken!

1 Kommentar:

  1. Wunderschöne Bilder! Ich würde schrecklich gern einmal nach Irland reisen. Vielen Dank für die tollen Eindrücke und den mitreißenden Artikel!

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