Montag, 26. August 2013

Alpinwandern im Sellrain

Im Sellrain, dem nördlichsten Teil der Stubaier Alpen, gibt es auffällig viele Gerade-so-Dreitausender. Die Zischgelesspitze (3004 m), die Schöntalspitze (3002 m), der Sulzkogel (3016 m), die Hohe Wasserfalle (3003 m), der Hochreichkopf (3010 m). Ob da die Kartenhersteller ein klein wenig gemogelt haben, um die doch relativ unbekannte Gebirgsgruppe für Alpinwanderer attraktiver zu machen? Für den Gleirschen Rosskogel finden sich zwei unterschiedliche Höhenangaben, nämlich 2950 und 2994 m. Weshalb dann nicht wenigstens 2999 Meter? Der Zwieselbacher Rosskogel (immerhin 3081 m) weist gleich vier Gipfel auf, das Gipfelkreuz steht am zweithöchsten Gipfel. Doch dazu später.
Schweinfurter Hütte (c) maske

Wanderer im Sellrain sind für gewöhnlich auf der Sellrainer Hüttenrunde unterwegs ((Infos hier klicken), um die kulinarischen Glanzlichter etwa der Winnebachhütte, der Pforzheimer Hütte, dem Westfalenhaus oder der Schweinfurter Hütte zu testen. Ich für meinen Teil marschierte von der Dortmunder Hütte in Kühtai über den Sulzkogel zur Schweinfurter Hütte, um von dort aus Tagestouren zu unternehmen. Während alle Mitmassenlagerschläfer zur nächsten Hütte zogen, war ich meist allein unterwegs. Allein auf dem Hochreichkopf, ganz allein auf der Hohen Wasserfalle, einsam und allein auf dem Peistakogel (2745 m). Beim Anstieg auf die Hohe Wasserfalle mit seiner steilen und Steinschlag gefährdeten Rinne sollte man übrigens einen Steinschlaghelm dabei haben. Weniger anspruchsvoll ist die Hohe Wasserfalle, und großartig die Überschreitung von Zwieselbacher Rosskogel und Gleirschem Rosskogel, ein alpiner Steig mit Kletterstellen bis II+, teilweise versichert.
Nichts für Warmduscher - Kletterstellen bis II (c) maske

 Der Steig ist nur für sehr erfahrene Bergwanderer gedacht (T5), wurde erst 2010 angelegt und trägt den Namen Via Mandani (Infos hier klicken). Ich stieg also von der Schweinfurter Hütte zu den Gipfel des Zwieselbacher Rosskogels. Der Wirt meinte, vier Stunden sollte ich veranschlagen. Schon nach ein paar Minuten traf ich auf meine Wanderbegleiterin für den Rest des Tages. Nach nicht einmal zweieinhalb Stunden waren wir am Gipfelkreuz - mit ihren langen Beinen hatte sie mir gegenüber klettertechnische Vorteile. Jeweils allein wären wir die Via Mandani nicht gegangen, doch zu zweit bei gleicher Kondition und gleichen Kletterfertigkeiten ist diese Überschreitung ein Vergnügen ohnegleichen.
Übrigens bekommt man auf den Hütten beim Bier oder der Weißweinschorle die schönsten Geschichten erzählt. Etwa von jenem Bergführer, der mit seiner Kundin auf einen allseits beliebten Viertausender stieg. Schwupps verschwand sie in einer Gletscherspalte. Der Bergführer bereitete die Bergung vor, sicherte sich gründlich und zog nicht sie, sondern einen Mann aus der Spalte. Was war passiert? Der durchgefrorene Bursche hatte einfach Glück. Er war allein unterwegs und in die gleiche Spalte gefallen. Die Bergsteigerin hatte Mitleid mit dem Burschen und ließ ihm den Vortritt bei der Bergung.

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