Montag, 4. November 2013

Die perfekte Wanderung

Noch hat sich die Wissenschaft noch nicht damit beschäftigt, wie die perfekte Wanderung auszusehen hat. Wenn ich jedoch an die Zertifizierung von Premiumwanderwegen denke, fällt mir nur eine einzige Wanderung ein, die absolut perfekt ist.
Also: Die Traum-Wanderung darf nicht zu lang sein und nicht zu anstrengend. Drei Stunden wäre ideal, Kletterstellen und ausgesetzte Partien dürfen dagegen nicht sein. Na gut, ein paar spannende Passagen mit etwas leicht gruseligen Tiefblicken treiben den Adrenalinspiegel ein wenignach oben. Ein Stück des Weges sollte deshalb einen Grat entlang frühren - variatio delectat. Der Blick sollte weit schweifen und großartig sein: Auf der einen Seite eisstarrende, glänzende und wohlgeformte Gipfel, auf der anderen Seite weit ins Land, in die Ebene. Wenn in der Tiefe ein smaragdgrüner See glänzt, ist das Wanderglück fast perfekt. Dann fehlen noch Tiere. Keine popeligen und voll gefressenen Murmeltiere, nein es müssen schon ein ganzes Rudel Steinböcke und ein paar Gämsen sein. Zumindest einem Steinbock tief in die Augen blicken zu können - das wäre der Lustgipfel!

 
Weil man gegen Ende der Wanderung nun überglücklich ist, möchte man vor Freude jodeln! Aber dann bitte schön mit Echo! Und am Ende der Tour möchte man einkehren und ein kühles Bier trinken.  Wenn wir schon beim Traum aller Wanderer sind: Das Licht soll besonders stimmungsvoll sein. Das heißt, die Wanderung sollte man fast zu jeder Jahreszeit machen können, selbst im Spätherbst sollte die ganze Tour besonnt sein, der Föhn soll allerbestes Licht und schöne Wolkenformen garantieren.
Diese Wanderung gibt es nicht? Doch, ich habe sie schon neunmal gemacht und will sie immer wieder machen. Mindestens einmal pro Jahr. Die Tour macht süchtig.
 


Tourbeschreibung: Von Interlaken im Berner Oberland fahre man zum Ort Habkern (zunächst Richtung Beatenberg orientieren bis zum Abzweig Habkern). In Habkern fahre man bis zum Dorfende. Dort findet sich ein Automat, an dem einige Franken Maut zu entrichten sind. Weiter geht es bis Lombachalp auf ca. 1500 Metern Höhe und einem auffälligen Parkplatz sowie Infoschildern. Von hier aus folge man den Wanderschildern auf das Augstmatthorn (2137 m). Den Abzweig nach rechts nach einigen Hundert Metern nicht folgen. Vom Gipfel des Augstmatthorns führt ein teils schmaler, aber nie ausgesetzter Grat zum Suggiturm (2085 m). Den letzten Anstieg sichern ein paar überflüssige Drahtseile. Der Weg abwärts führt weiter in Richtung Harder. Den ersten Abzweig nehme man nun rechterhand zurück zur Lombachalp.
 Dauer 3 bis 3,5 Stunden. Traumhafter Tiefblick zum Brienzer See und Weitblick über die gesamten Berner Alpen vom Titlis bis zu den Diablerets, außerdem ins Schweizer Mittelland und mit etwas Glück bis zum Hochschwarzwald. Am Augstmatthorn tummeln sich kaum menschenscheue Steinböcke und etwas scheuere Gämsen. Das Steinbockrudel ist angeblich das größte der Schweiz. So lange kein Schnee liegt, kann die Wanderung das ganze Jahr über durchgeführt werden. An kurzen und kühlen Tagen möge man sich nachmittags auf die Socken machen, um die Sonne zu genießen. Ein halber Föhntag ist völlig ausreichend. Eine kurze Passage durch ein Trümmerfeld auf dem Rückweg erlaubt schöne Hall- und Echoeffekte. Gämsen und Steinböcke halten sich hier selten auf. Während der Hochsaison kann man auf der Lombachalp einkehren. Wer gerne Schweizer Bier trinkt, wird nun überglücklich den Wandertag beenden und einen seiner Mitwanderer Auto fahren lassen.

1 Kommentar:

  1. Wow, Wahnsinn! Ich bin begeistert. Das ist ja mal ein sehr lesenswerter Wanderbericht. Wunderbar.

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