Samstag, 18. Januar 2014

Alpinwandern auf Fuerteventura

Wandern auf Fuerteventura? Sogar Alpinwandern?? Die Insel ist doch eher bekannt für endlose Traumstrände, die zu den schönsten der Welt gehören Einer meiner Bekannten meinte gar: "Pah, da kannst Du auf ein paar Sechs- und Siebenhunderter latschen und am Strand promenieren." Ich bin also in die Buchhandlung meines Vertrauens marschiert und habe festgestellt: Auch über Fuerte gibt es einen Rother-Wanderführer: "Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. 30 Touren." Das sollte für zehn Tage dicke reichen, dachte ich, allerdings mit leichten Zweifeln, denn von den roten Wanderführern gibt es auch Ausgaben "Bremen - Oldenburg", "Rund um Hamburg", ja sogar "Niederlande." Was allerdings noch fehlt, ist "Wandern und Bergsteigen unterhalb des Meeresspiegels." Was übrigens "Kleinste Gipfel der Welt" betrifft, hat Fuerteventura gute Chancen ganz vorne mitzuspielen. Aber dazu an anderer Stelle.
Zehn Tage waren meine Frau auf Fuerteventura, zwölf der vorgeschlagenen Touren haben wir mit Variationen unternommen. Damit haben wir uns einen gründlichen Überblick über die Insel verschafft - aus Sicht eines Wanderers, versteht sich. Und wir hatten einen Tag mit zwei Alpin-Wanderungen, einer am Vormittag, einer am Nachmittag! Ausgangspunkt der Vormittagstour war das winzige Nest La Matilla. Unser Ziel war der Gipfel des Fast-Siebenhunderters Montana de la Muda, über den im Wanderführer für uns reizvoll zu lesen ist: "Der weglose Aufstieg... sollte nur von klettererfahrenen Wanderern angegangen werden." Der Wanderführer indes pries die drei Quellen an der Südseite des Berges. Freilich: Für das staubtrockene Fuerteventura sind Quellen rar. Wir stiegen also den einfachen und gut erkennbaren Pfad an den Fuentes vorbei. Und siehe da: Zwei der drei Quellen waren versiegt, der Ausdruck "Drecklöcher" wäre passender. Sie waren für uns eine eher nachrangige Attraktion.
Bis zum Vorgipfel der "Muda", dem einfachen Buckel namens Espigón de la Mesa (571 m), führt der Pfad weiter, zum Hauptgipfel (689 m) ging es weglos. Das Abraten des Wanderführers bescherte uns einen wunderbaren, alpinen Aufstieg mit schönen Kletterstellen im ersten Grat. Und welche Überraschung: Die beschriebenen Antennen auf dem Gipfel waren abgebaut - der Rother-Führer war drei Jahre alt. Auch von einem Abstieg auf der anderen Seite des Gipfels riet das Bändchen ab, doch inzwischen führt ein harmloser Pfad hinab zu einer Militäranlage und eine gemütliche Straße zurück nach La Matilla.
Steil und felsig: Der Gipfelaufbau der Monatna de la Muda (c) M. Kehle
Mit den Wanderempfehlungen können erfahrene Wanderer lax umgehen. Die Landschaft ist übersichtlich, verlaufen kann man sich kaum, gefährliche Stellen sind Mangelware. Da wir nun nur noch drei Stunden Zeit bis zum Sonnenuntergang hatten, mussten wir die un Rother beschriebene Rundtour auf den dritthöchsten Gipfel der Insel, Gran Montana (711 m), verkürzen. Der weithin sichtbare Berg findet sich zwischen den Orten Betancuria und Pájara und ist über die hübsche Pass-Straße vom Parkplatz Mirador de Fénduda auf gut 400 Metern zu erreichen. Es ist der zweite Aussichtsparkplatz südwestlich des Örtchens Vega de Rio Palmas. Die Autostraße (FV 30) wanderten wir zunächst etwa zehn Minuten hinab bis zum Einstieg in den ausgeschilderten Wanderweg. Station eins der Wanderung ist gut und leicht erreichbar über ein paar Serpentinen, es ist die Degollada los Granadillos, eine Passhöhe auf 479 Metern Höhe inklusive Steinhäuschen. Über uns ragte verlockend der Felsgipfel des Risco Blanco (614 m). Bis fast zum Gipfel führt ein Zaun, ein paar Ziegen versuchen sich dort oben mühsam zu ernähren.
Rechts Risco Blanco darunter die Autostraße FV-30 (c) M.Kehle
Wir folgten dem Zaun linkerhand auf der westlichen Seite und kletterten weglos und ohne Markierungen zum höchsten Punkt. Dann ging es weiter weglos über Felspassagen (eine Stelle II) nach Osten auf den Pico Lima (629 m). Der Weg wurde wieder gemütlich. Bis zum höchsten Punkt des Pico Lima verläuft eine Trockenmauer, an der wir entlang gingen. Bis zum Gipfel des Gran Montana führt nun ein gut erkennbarer Weg, meist auf breiten Gratschultern in stetem Auf und Ab. Die Sicht über fast die gesamte Insel ist großartig, vor allem im Licht der tiefer stehenden Sonne. Der Rückweg bis zum Pico Lima erfolgte auf dem gleichen Weg. Da wir jetzt nicht mehr klettern wollten, folgten wir Pfadspuren und Steinmännchen an der Südseite des Risco Blanco. Von Weitem schon sieht man zwei markante, aber ungleiche Bäume, die als Orientierung dienen. Schließlich landeten wir wieder am Steinhäuschen der Passhöhe.

Gipfel der Gran Montana (c) M. Kehle
Beide Alpin-Wanderungen lassen sich innerhalb eines Tages bequem und mit Gipfelsiesta durchführen. Es handelt sich um Varianten der Touren 7 und 13 des Rother Wanderführeres "Fuerteventura" von Rolf Goetz. Von ein paar Stilblüten abgesehen, die eher dem Lektor des Verlags anzukreiden sind als dem Autor ("... auf ausgesetztem Küstenpfad, bei dem Schwindelgefahr erforderlich ist"), ist der Band sehr zu empfehlen. Die mit gedruckten Wanderkärtchen und Inselübersicht reichen zur Orientierung aus.

Buchempfehlung: Rolf Goetz; Fuerteventura

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