Samstag, 18. April 2015

Stadtwandern statt Wandern - "Traumstadt Karlsruhe"

"Stadtwandern statt Wandern" ist ein Kapitel in der Wanderbibel überschieben. Also dachte ich mir heute Vormittag: Marschiere einfach einmal los. In Deiner Heimatstadt. Vom Hauptbahnhof aus. Schließlich musste ich die 300.000 Tulpen begutachten, welche die Stadtgärtnerei zum 300. Geburtstag Karlsruhes vergraben hat und die nun in voller Blüte stehen sollten. "Traumstadt mit kleinen Fehlern" nennt der bekannte TV-Moderator Markus Brock Karlsruhe. Mit "kleinen Fehlern" meint er die Tatsache, dass das Meer so weit weg ist. Und vielleicht die Unannehmlichkeit, dass die Fächerstadt im Augenblick eine einzige riesige Baustelle zu sein scheint. Bei unserer Halbtagswanderung werfen wir nur einen kleinen Blick auf die größte der Baustellen und sehen stattdessen sehr viel Blütenpracht und einige der schönsten Gebäude.
Wer als Fremder in Karlsruhe zu Besuch ist, beginnt seine Wanderung am Hauptbahnhof. Genau gegenüber ist der Eingang des Zoologischen Stadtgartens. Wir steuern auf das Kassenhäuschen zu und lösen eine Eintrittskarte. Anschließend halten wir uns linkerhand und flanieren dann immer stur geradeaus durch den Stadtgarten, entlang des Sees. Wir erblicken die legendären Gondolettas, hunderte von Enten und Gänsen und endlose Beete in allen Frühlingsfarben. Die 300.000 Tulpen scheinen derzeit vor allem im Stadtgarten versammelt zu sein.
Zoologischer Garten, Gondoletta (c) Kehle

Nun könnten wir uns eine ganze Weile, ja einen ganzen Tag im Zoologischen Garten aufhalten, aber wir verlassen ihn wieder auf der Nordseite. Elefanten, Affen und Löwen überlassen wir den Heerscharen junger Familien. Zur Rechten erblicken wir bald die Schwarzwaldhalle mit ihrem Hängedach, ein Bau, der unter Denkmalschutz steht. Weshalb das so ist, mag der geneigte Tourist an anderer Stelle nachlesen. Vor uns erblicken wir die Säulen der Stadthalle, sobald das Kassenhäuschen Nord hinter uns liegt. Geradeaus haltend steuern wir auf die nächsten riesigen Beete zu. Sobald wir diese erreicht haben, lassen wir unseren Schweif zurückblicken - auf das Konzerthaus mit einem Relief des Künstlers Stefan Balkenhol.
Blütenmeer Zoologischer Stadtgarten (c) M. Kehle

Konzerthaus (c) M. Kehle
Nun geht es weiter, immer geradeaus. Wir überqueren eine Straße und Straßenbahnschienen, gehen - mitten im Grün - am Hochhaus des Landratsamtes vorbei auf eine Brücke. Hier werfen wir einen schnellen Blick auf die Kriegsstraße, derzeit eine Großbaustelle. Oben machen wir einen kurzen Stopp und schauen nach links zum Prachtbau des Bundesgerichtshofs bevor wir nach der Brücke durch den Nymphengarten mit seinem uralten Baumbestand marschieren. Auch hier könnten wir verweilen, doch weiter geht's. Zur rechten erblicken wir bald das Ettlinger-Tor-Einkaufszentrum, zur linken das Naturkundemuseum und den - grünen - Friedrichsplatz. Ein herrlicher Platz zum Genießen, doch uns zieht es weiter. Weiter geradeaus. Vorbei geht es am Karstadt vorbei, ebenfalls ein sehenswertes Gebäude aus der Jugendstilzeit. Vor uns liegt nun eines der Hauptziele: Das Karlsruher Schloss, der Mittelpunkt der Fächerstadt. Wir überqueren die Fußgänger-Einkaufsmeile, die Kaiserstraße, und steuern immer weiter geradeaus auf das Schloss zu. Unser Tourist könnte sich noch ein oder zwei Stunden im "Badischen Landesmuseum" aufhalten mit seiner Antikensammlung oder der "Türkenbeute".
Vor dem Schloss stehend bewundern wir rückblickend die fächerartige Stadtanlage und staunen über großzügige Grünanlagen. Keine zehn Minuten waren wir auf urbanem Terrain? Wir haben die Stadt in einer guten Stunde von Süden nach Norden durchquert? Wie kommt das? Karlsruhe hat doch fast 300.000 Einwohner? Wir sind der Wespentaile der Stadt gefolgt, vom Hauptbahnhof am südlichen Stadtrand bis zum Schloss, das direkt in den Schlosspark und anschließend in den nach Norden offenen Hardtwald übergeht. Die Ost-West-Ausdehnung der Stadt ist dramatisch größer als die in Nord-Süd-Richtung.
Botanischer Garten (c) M. Kehle

Bevor wir uns nördlich des Schlosses in den Weiten des Schlossparks verlieren und ich meinen Touristen alleine lasse, um ihn dort über Stunden kreuz und quer oder einfach nur immer geradeaus wandern zu lassen, führe ich ihn noch in den Botanischen Garten. Wir stehen am Eingang des Schlosses und halten uns in westlicher Richtung. Am Westende des Areals geht es in den Botanischen Garten, eines der Heiligtümer der Karlsruher. Weshalb das so ist? Anschauen, verweilen und vielleicht in der dortigen Weinstube ein, zwei Viertele Gutedel trinken. Die nächste S-Bahnhaltestelle ist nicht weit und bringt unseren Touristen, nun ziemlich selig, zurück zum Hauptbahnhof.

1 Kommentar:

  1. Ich frage mich gerade ob es wirklich 300.000 Tulpen sind. Müsste man mal nachzählen,wenn man ein Wochenende nicht weiß, was man machen soll.

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