Montag, 3. August 2015

Scheußlich, scheußlicher, Sölden

In den Ötztaler Alpen gibt es wunderbare Ecken zum Wandern und Bergsteigen, einsame Täler und Gipfel. Doch die Gegend rund um Sölden ist an Scheußlichkeit kaum zu überbieten. Das liegt daran, dass es eines der Skilauf-Zentren Österreichs ist. Nun kann man lästern, dass sich dort im Winter vor allem die Prölls Europas tummeln. Das jedenfalls suggerieren manche Kneipen und Etablissements. Der Eigner des Schuppens, den ich hier fotografiert habe, hat jedenfalls von Duden keine Ahnung, ob die Damen des Rotlichtsviertels Ahnung vom Blasen haben, entzieht sich meiner Kenntnis.

Jedenfalls sollte der Sommerurlauber die Gegend meiden, auch wenn dieses hübsche Kirchlein (siehe unten) gerne für die Wanderidylle wirbt. Es findet sich ganz in der Nähe der Rotkogelhütte, die man zu Fuß erreicht, wenn man von Sölden die Giggijochbahn nimmt. Der Weg ist wohl für Rollatoren geeignet, er ist eine breit planierte Fahrstraße, damit die Industrie den winterlichen Skizirkus im Sommer soweit auf Vordermann kann, auf dass im nächsten Winter der Rubel und der Euro wieder rollt.
Der Franken wird es wohl kaum sein, denn die Schweizer geben ihr Geld im allgemeinen stilvoller aus und haben prächtigere Skigebiete. In diesem Jahr donnerte ein Betonmischer nach dem anderen an uns vorbei, um Material von Sölden zur Gigijochbahn zu transportieren, die noch größer, noch toller werden soll.

Es war unser letzter Tag im Ötztal. Wir gedachten, noch eine kleine Wanderung auf den Söldener Rotkogel (2947 m) zu unternehmen, von dem wir uns eine schöne Sicht auf den den Mainzer Höhenweg erhofften, auf dem wir uns zwei Tage zuvor verausgabt haben.
Man kann das idyllische Kirchlein nämlich auch fotografieren, wie auf dem Bild rechts. Genau genommen, ist es ziemlich schwierig, sich so zu positionieren, dass obenstehende Variante mit Wilder Leck im Hintergrund und dekorativem, einsamen Wanderer herauskommt. Doch der Scheußlichkeiten gibt es auf der Wanderung zum Rotkogel, zum Schwarzkogel oder auch zum Söldener Grieskogel genug zu entdecken.

Wahrscheinlich wird die Gegend demnächst umgetauft in BWW-Arena und der Rotkogel in BMW-Kogel. Dass in den letzten Jahren ein Speicherbecken angelegt wurde für Kunstschnee, ist obligatorisch. Übrigens werden die kümmerlichen Reste des Rettenbachfernes im Winter künstlich beschneit! Am Gletscherrand stehen Schneekanonen. Hier in der Gegend der Rotkogelhütte sind die Schneekanonen dekorativ verhüllt. Oder ist es etwa Kunst am Berg?

Jedenfalls erinnert diese "Figur" an die Landschaftsinstallation von Antony Gormley vor einigen Jahren im hinteren Bregenzerwald, als er überlebensgroße Eisenmenschen an mehreren Orten in jeweils 2039 m anbrachte (z.B. am Diedamskopf, hier klicken). 
Damit erhalten Gormleys eindrückliche Arbeiten (zuammen übrigens mit dem Kunsthaus Bregenz) eine ganz andere Dimension.
Ich schweife ab. Sölden kann immerhin als abschreckendes Beispiel dienen. Sämtlichen Wanderführern ist zu empfehlen, dass sie alle Ziele im Einzugsgebiet von Sölden, Hochsölden, Obergurgl und Hochgurgl streichen. Wie unsinnig Investitionen in den Skizirkus sind, zeigen nicht nur die zurück gehende Zahlen an Wintersportlern, sondern vor allem der Klimawandel. Heute sind die Sommerskigebiete in den Ötztaler Alpen unbrauchbar geworden. Zu sehr hat die Erderwärmung die Gletscher dezimiert. Wann endlich findet ein Umdenken statt? Wann wird mit dem "Rückbau" begonnnen?
Am Giggijoch jedefalls wird gebaut wie blöd. Dass sich die Tiroler Werbestrategen und Architekten so dämlich sind, mit Scheußlichkeiten auch noch Werbung zu machen, kommt erschwerend hinzu. Auf der Website Söldens ist zu lesen: "Der 38 Millionen Euro teure Neubau der beiden Seilbahnen am Gaislachkogl in Sölden kombiniert faszinierende Architektur mit innovativer Technik."


 Auf dem Weg zum Rotkogel ist auch die "faszinierende Architektur" der Bergstation nicht zu übersehen. Sie erinnert an einen ohne Zweifel an einen überdimensionalen Engerling (rechts der Bildmitte).
Noch besser ist das freilich auf der Website tirolarena.at erkennbar (Engerling!). Wir jedenfalls werden diese Gegend künftig meiden. Dass es anders geht, beweisen viele andere - sogar österreichische! - Bergregionen, etwa der Bregenzerwald.



Kommentare:

  1. Es ist einfach schrecklich, was der Wintersport an Opfern fordert. Irgendwann wird man hoffentlich aufwachen. Leider ist die Landschaft dann verschandelt.

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  2. In Sölden hat man schon seit langem sehr vieles falsch gemacht. "Faszinierende Architektur" - wem das wohl eingefallen ist? Der Bregenzerwald ist, wie du bemerkt hast, dabei etwas ganz Anderes.

    Sokrates von http://bergfuchs.blogspot.co.at

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  3. Über 90 % der Gemeinde Sölden sind unverbaut und reine Natur, aber Ihr müßt auf einer Baustelle wandern gehen.......Kopf schütteln.........

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