Donnerstag, 28. Juli 2016

Besuchen Sie Lischana, so lange er noch steht!

Piz Lischana (rechts), Foto: Matthias Kehle
Nun also hat mal wieder ganz Europa Ferien. Die Bergwanderer schlagen sich um die letzten Lagerplätze in den Hütten Deutschlands, Österreichs und Italiens. Nur die Hütten in der Schweiz sind verwaist. Von ein paar Einheimischen abgesehen. Ja, liebe Leser, die Schweiz ist teuer, so viel stimmt. Das Hüttenpersonal sei außerdem unfreundlich, die Küche schlecht. So sagt man, so habe ich es gelegentlich erlebt, etwa in einigen Walliser Hütten. Und: Die Hütten, auf denen man nächtigen muss, um auf die Viertausender zu gelangen, sind auch überbelegt von schnarchenden und lauten, prahlenden Bergsteigern mit viel klimpernder Schlosserei.
Piz Lischana, Gipfelaufbau (c) Matthias Kehle

Es muss gar kein Viertausender sein, für manche ist ein solider Dreitausender schon das Höchste der Gefühle. Höchste Zeit wird es übrigens, will man noch Piz Lischana besteigen. Es ist ein stattlicher Dreitausender, und mit 3105 Metern der höchste Berg der Unterengadiner Dolomiten. Es wird deshalb Zeit, weil der eigenwillige, rote Radiolit-Gipfel einzustürzen droht. Mehr noch: Vor einigen Jahren ist bereits ein erklecklicher Teil des Gipfels abgebrochen und in die Tiefe gestürzt, ohne Schaden anzurichten. Nun sind die obersten 35 Meter des Gipfels vom Bauamt Scuol gesperrt worden, das Gipfelbuch befindet sich auf 3070 Metern. Zu groß die Gefahr, auf und mit dem Gipfel zu Tode zu kommen. Angeblich. Es gibt genügend Bergsteiger, die sich trotzdem auf den höchsten Punkt wagen. Ob wir ganz oben waren, wird nicht verraten. Jedenfalls besteht der Gipfel aus hausgroßen Blöcken, die von Rissen und Spalten durchzogen sind und Piz Lischana sehr wackelig erscheinen lassen.
Weshalb also sollte man auf einen Gipfel steigen, den man gar nicht besteigen darf? Nun: Berge wie Menschen sind endlich. Vielleicht kann demnächst ein Bergsteiger sagen: Ich war der letzte, der auf Piz Lischana stand. Ich habe die Letztbesteigung unternommen. Das wäre neu in der Alpingeschichte! Außerdem ist die Lischanahütte sehr empfehlenswert. Unter der Woche ist sie kaum besucht, das Personal ist super nett und das Essen vorzüglich. Man wird nicht abgefertigt, wie in mancher Großkantine der Ostalpen, sondern ist Gast für eine, vielleicht für zwei Nächte, über deren Besuch man sich wirklich freut. Das SAC-Haus liegt auf einem vorgeschobenen Felskopf und bietet einen sagenhaften Blick in die Silvretta und auf Scuol.

Nicht zu unterschätzen sind übrigens die Altschneefelder auf dem Grat, der bis zum Gipfelaufbau führt. Anfang Juli hätten wir Steigeisen noch gut brauchen können. Also vor dem Aufsteig das Hüttenpersonal fragen, ob Steigeisen nötig sind. Der Weg selbst ist gut markiert (rot-weiß und Steinmännchen).
Vor der Lischanahütte (c) Matthias Kehle

Infos:
Lischanahütte
Wikipedia Piz Lischana
Entgegen der Angaben bei Wikipedia ist der Gipfel nach wie vor gesperrt!
private Tourberichte
Private Tourberichte von Amateuren sind immer mit Vorsicht zu genießen!

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