Mittwoch, 31. August 2016

Elfer, Zwölfer, Habicht

Der Habicht ist ein Dreitausender für Faulpelze. Von Neustift in Tirol kann man sich mit dem Taxi bis zur Karalm fahren lassen, dann zur Innsbrucker Hütte aufsteigen und am nächsten Tag die 900 Höhenmeter bis zum 3277 Meter hohen Gipfel und zurück bewältigen. 1,5 Stunden sind es von der Karalm bis zur Hütte, drei Stunden bis zum Gipfel. Der eilige Bergwanderer kann das an einem normalen Wochenende erledigen. Da es viele eilige Bergwanderer gibt oder auch solche, die die Innsbrucker Hütte auf dem Stubaier Höhenweg mitnehmen, ist die Hütte am Wochenende entsprechend überlaufen. Der Genießer mit etwas mehr Zeit wählt am besten eine andere Variante.
Ausgang der Tour ist wiederum Neustift, genauer die Bergstation der Elferbahn. Wer sich das Taxi (55 Euro) gespart hat, kann gemächlich zur Elferhütte aufsteigen und dort übernachten. Ich hatte Glück und ein Bett für mich allein in einem Achterzimmer. Mehr noch: Ich war am einzigen glasklaren Woche im August unterwegs, konnte das ganze Stubaital überblicken, den Karwendel, die Kalkkögel und quasi in jedes Fenster in Innsbruck schauen. Theoretisch, denn ich hatte kein Fernglas dabei.
Elferhütte, im Hintergrund das Karwendel-Gebirge
Es gibt nur wenige Hütten in den Alpen, von denen man einen ähnlich phantastischen Ausblick hat. Am nächsten Morgen stieg ich knapp 500 Höhenmeter zum höchsten der vielen Gipfelchen des Elfers auf (2505 m). Es ist eine Kalkinsel in den Granitbergen, die dem Habicht vorgelagert sind, zerklüftet in hunderte Türmchen, bizarre Überhänge, Spalten und Kamine.
Gipfel des Elfers
Der Gipfel ist so winzig, dass ganz oben nur das Kreuz Platz hat und nur erreichbar für Menschen, die keinen Knödelfriedhof vor sich hertragen, denn es geht abschließend durch einen engen Kamin. Der Elfer ist übrigens auch ein Eldorado für Klettersteiggeher. Ganz entzückend jedenfalls fand ich den recht einfachen Weg.
 Statt schnurstracks über den Zwölfernieder und den Panoramaweg zur Karalm weiterzumarschieren, beschloss ich, noch auf den Zwölfer zu steigen (2564 m), ein Granitnachbar. Doch es war eine Tortur ohne Mehrwert, sieht man von dem Blick in die Kalktürmchen ab - es waren nämlich auch die heißesten Tage des Augusts 2016. Also: Wer nicht gerade Gipfel sammelt, kann den Zwölfer getrost auslassen, die Sicht ist so ziemlich die gleiche wie vom Elfer. Die Wege sind übrigens bestens markiert und beschildert, die Zeitangaben stimmen in dieser Ecke der Stubaier für mäßig schnelle Wanderer. Insgesamt 2300 Höhenmeter Auf und Ab sind es von der Elferhütte über den Elfer, den Zwölfer und die Karalm bis zur Innsbrucker Hütte. Am Nachmittag hatte es hier noch 25 Grad. Mich plagten heftige Krämpfe im Oberschenkel, eine Zimmergenossin war Ärztin und empfahl mir, erst einmal ein Bier trinken zu gehen: Da sei alles drin. Recht hatte sie, denn die Krämpfe gingen weg.
Blick über den Gschnitzer Tribulaun in die Dolomiten vom Gipfel des Habicht (3277 m)
 Tags drauf, es war ein Samstag, stieg ich inmitten wahrer Hundertschaften auf den Habicht (3277 m), einer der einfacheren Wanderdreitausender und einer der ersten, auf den überhaupt ein Weg angelegt wurde. Der Habicht steht frei, er galt lange Zeit als höchster Berg der Stubaier, entsprechend begehrt ist er. Mir war diese Wuchtbrumme von Berg schon von vielen Seiten ins Auge gesprungen, er stand deshalb schon lange auf meiner Liste. Hätte ich allerdings nicht eine derart gute Fernsicht gehabt, hätte ich gesagt: "Naja, der Berg ist ganz nett, die Hütte mittelprächtig, hätte nicht uuuunbedingt sein müssen." Doch vom Habicht präsentierten sich die Dolomiten glasklar, jedes Spitzchen stand glasklar vor mir, der Schweif blickte 180 Kilometer weit bis zum Dachstein. Glück muss der Wanderer haben!

Info: Der Habicht ist ab der Innsbrucker Hütte in drei Stunden erreichbar. Schwierigkeiten: Blockgelände, einige seilgesicherte Passagen. T4-. Markierung bestens, der Weg ist nicht zu verfehlen. Die Innsbrucker Hütte ist nichts für Liebhaber einsamer Unterkünfte. Mangelhaft ist die Auswahl beim Frühstück, die Qualität der Küche ist gut bis befriedigend, die sanitären Anlagen lassen zu wünschen übrig. Rechtzeitige Reservierung dringend empfohlen!
Sehr empfehlenswert dagegen in jeder Hinsicht die Elferhütte.

Link zur Elferhütte
Link zur Innsbrucker Hütte

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