Montag, 8. August 2016

Walliser Bergeinsamkeit - das Wasenhorn (3246 m)

Mein Ziel - Das Wasenhorn (3246 m)
Überall in den Alpen gibt es sie: Großkantinen und Massenlager. Vor allem in Österreich und in Deutschland. Die großen Schweizer Hütten versammeln sich um die populären Viertausender im Wallis. Angesichts des teuren Franken bleiben allerdings die europäischen Touristen aus. Und dann gibt es noch die ganz kleinen Hütten, in die sich nur selten ein Ausländer verirrt. Ist die Hütte dann noch in einem wenig bekannten Gebiet gelegen, fragt man sich unwillkürlich, wie diese überleben kann. Die Monte-Leone-Hütte ist eine solche kleine (32 Lagerschlafplätze) Hütte im Simplon-Gebiet, gut zwei Marschstunden von der Passhöhe entfernt. Diese kleinen Hütten des Schweizer Alpenclubs SAC kommen nur deshalb über die Runden, weil sie von ehrenamtlichen Hüttenwirten betreut werden, die sich im Laufe der Bergsaison abwechseln: Jeder Hüttenwirt "opfert" eine gewisse Zeit seines Jahresurlaubs und bekommt Unterstützung von freiwilligen Helfern seiner Sektion.


Monte-Leone-Hütte (c) M. Kehle
Zwei Nächte blieb ich auf der Hütte, in beiden Nächten war ich der einzige "Ausländer". Die Berge rund um den Simplon sind keine Riesen und kulminieren im Monte Leone (3555 m) - ein paar Kilometer weiter reichen die Berge tausend Meter höher in den Himmel. Aber es sind einsame Berge, denn welcher Bergsteiger will sich damit brüsten, das wenig bekannte Wasenhorn (3246 m) bestiegen zu haben? Ich wollte es, denn es ist ein schöner, aber nicht anspruchsloser Wanderdreitausender. Man kann gemütlich innerhalb von ca. 1,5 Stunden auf den Berg steil auf den Gipfel steigen, einzig bei einem großen Altschneefeld muss man arg aufmerksam sein und dabei die Nordost-Route wählen oder aber, wie mir der Hüttenwirt empfahl, über die Mäderlücke via Südwestgrat auf- und anschließend über den "Normalweg" absteigen. Es ist eine spannende, teilweise ausgesetzte Kraxelei bis II, meist finden sich Wegspuren und einzelne Steinmänner, aber ohne Erfahrung im felsigen Gelände, sollte man von dieser Route die Finger lassen. Vom Gipfel hat man einen grandiosen Ausblick auf das gewaltige Schiff des Monte Leone mit dem immer noch imposanten Chaltwassergletscher, zur Mischabelgruppe, zum Weißhorn und den gesamten Berner Alpen, samt Rhone-, Fiescher- und Aletschgletscher, an klaren Tagen blickt der Schweif bis zum Ortler und zur Berninagruppe.
Blick vom Gipfel zu den Berner Alpen,
rechts der Bildmitte: Finsteraarhorn

Ich war an diesem Morgen des 3. August allein unterwegs und genoss den Nachmittag auf der Hütte - die Gesamtgehzeit beträgt von hier drei bis vier Stunden. Von Karlsruhe aus sind die Walliser Berge per Zug (IC und ICE) schnell zu erreichen. Um acht Uhr verließ ich die einsame Bergwelt, stieg wieder zum Simplon-Pass ab, hielt dort meinen Daumen in den Wind und stieg um 16 Uhr mit einer wunderbaren Bergtour auf dem Buckel aus dem Zug im Karlsruher Bahnhof.
Die Monte-Leone-Hütte liegt auf 2848 Metern Höhe, die Küche ist sehr zu empfehlen, das Brot wird selbst gebacken, die Preise (selbst für Wein) sind moderat, die Wirte, die ich erlebte, sehr nett und sehr hilfsbereich. Bezahlen kann man auch in Euro und bei einem sehr günstigem Kurs (für einen Euro gibt es 1,20 Franken).
Monte Leone und Chaltwassergletscher

Monte-Leone-Hütte:
Website: Monte-Leone-Hütte

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