Samstag, 5. November 2016

Hüttentipp Freiburger Hütte

Ich bleibe gerne mehrere Nächte auf einer Hütte. Die meisten Wanderer dagegen haben ein einziges Ziel, einen beliebten Gipfel oder die nächste Hütte. Ich hingegen möchte die Gegend mehr erkunden, weshalb ich oft drei oder vier Übernachtungen einplane. Besonders attraktiv ist die Freiburger Hütte im Lechquellengebirge, denn hier lassen sich gleich dutzendweise attraktive Gipfel besteigen, außerdem ist sie leicht erreichbar, etwa mit dem Wanderbus von Lech zum Formarinsee oder in drei Stunden einfachem Aufstieg von Dalaas. Der Formarinsee wurde einst zum schönsten Ort Österreichs gewählt. Ich will ja nicht lästern, aber in der Schweiz gibt es noch viel schönere Orte und Seen, etwa der Oeschinensee bei Kandersteg. Doch das ist nicht das Thema.
Freiburger Hütte. Im Hintergrund Formaletsch

Nahezu dutzendweise lassen sich von der Freiburger Hütte aus Wanderungen und Bergtouren unternehmen. An erster Stelle unserer Wunschliste stand natürlich die alles dominierende Rote Wand (2704 m), die wir bei sehr günstigen Verhältnissen sogar von einigen Nordschwarzwald-Höhen erspähen. Nein, sie ist nicht besonders schwierig, im Gipfelbereich gibt es einige leicht ausgesetzte Kletterstellen, als Aussichtsberg ist die Rote Wand erste Klasse.

Gipfelgrat der Roten Wand
Rossköpfe, Roggelskopf, Ganahlskopf, Pfaffeneck, Fensterlewand - wir hatten  Auswahl. Tag zwei, Tour zwei führte über den markanten Knubbel des Formaletsch (2292 m) über das Steinerne Meer. Es ist eine etwa einen Quadratkilometer große Karstlandschaft, die in den Alpen ihresgleichen sucht. Nirgends haben wir vielfältigere und schönere Karst- und Karrenformationen gesehen. Zum Abschluss der Tour stiegen wir nahezu weglos auf den Pöngertlekopf (2539 m), den man frei Schnauze besteigt, in  dem man an der entsprechenden Stelle den Weg zur Ravensburger Hütte verläßt.
Pöngertlekopf (links) und Pfaffeneck. Der Weg zum Gipfel führt
offenkundig über den Grat links.

Wer Lust hat, kann in einer weiteren Stunde noch den gleichhohen Nachbarn Pfaffeneck mitnehmen, was wir übrigens nicht taten. Nach einer Siesta in der Sonne auf dem Gipfel hatten wir dazu keine Lust mehr.

Ganz entzückend war Tour drei von drei, und zwar auf die Saladinaspitze (2230). Eineinhalb Stunden Gehzeit sind von der Hütte aus zu veranschlagen. Man muss steile Anstiege mögen und auf dem Gipfel schwindelfrei sein, denn südseitig stürzt ein Tobel mehrere hundert Meter senkrecht in die Tiefe. Ein wenig erinnerte uns der Anblick der Saladinaspitze übrigens an die Dents du Midi. Nur dass diese um ein Vielfaches größer sind, gehören sie doch zu den "Ultra Prominent Peaks" der Alpen mit einer Schartentiefe von mehr als 1500 Metern. Übrigens hat man auf dem Weg zur Saladinaspitze einen herrlichen Blick zu einem großen, herzförmigen Felsenfenster in der Fensterlewand, die auch einfach zu besteigen ist.

Saladinaspitze, Gipfel rechts im Bild
Drei Tage mit drei höchst unterschiedlichen Touren: Wir waren am letzten Herbstwochenende vor Schließung der Hütte dort. Wir hatten schon befürchtet, dass es unsere letzten Alpenwanderungen 2016 gewesen sein würden, doch dann kamen die letzten vier Oktobertage, vier sehr güldene Tage im Berner Oberland. Nicht am Oeschinensee, übrigens. Doch dazu ein anderes Mal.


Literatur: Alpenvereinsführer Bregenzwerwald und Lechquellengebirge alpin. Bergverlag Rother.
Link zur Freiburger Hütte:
Freiburger Hütte
(in jeder Hinsicht vorbildlich: Ein guter Koch, saubere sanitäre Anlagen und sehr liebenswürdiges Personal, allen voran der Chef des Hauses)

Infos zur Besteigung der Roten Wand (T4):
Karte und Route PDF
Routenbeschreibung
youtube-Video Rote-Wand-Besteigung
(am besten Ton abdrehen, Kommentare und Musik sind Geschmacksache.

Infos zum Pöngertlekopf (Schwierigkeitsgrad T4, Pfaffeneck T5):
Pöngertlekopf, hier klicken!

Infos zur Saladinaspitze (T3):
Saladinaspitze, hier klicken!

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