Freitag, 17. März 2017

Auf dem heißen Stein - Weshalb die Siesta beim Wandern der Lustgipfel ist

Voller Bauch marschiert nicht gern. Das wusste wahrscheinlich schon Hannibal, als er mit seinen Elefanten über die Alpen wanderte. Vermutlich hat auch er es mit seinen Mannen und den Rüsseltieren getan: Nach der Brotzeit eine Siesta gehalten. Was mit einer Riesentruppe schiere Notwendigkeit ist, ist für den Normalwanderer der Lustgipfel. Was ist schöner, als mit vollem Bauch in der Sonne zu liegen und zu dösen? Die Bienen schwirren, die Vögel zwitschern, ab und zu zwinkert man in den Himmel, schaut den Wolken nach oder in den sanft rauschenden Blätterwald über einem. Für meine Frau und mich gehört jedenfalls eine Siesta zum Wandern elementar dazu. Notfalls steigen wir wieder ein paar Meter vom Gipfel ab, um unsere Ruhe zu haben.

Autor bei der Siesta auf Piz la Stretta
Das schönste Schläfchen hielten wir übrigens auf dem Piz Surgonda im Engadin. Wir waren allein auf diesem weitgehend unbekannten Nachbarn des Piz Julier und lagen auf einem flachen, heißen, ergonomisch geformten Felsen, dösten und hatten selige Träume. Auch ein Bänkchen auf einer Lichtung im Schwarzwald tut es, genauer gesagt: zwei Bänkchen. Den Kopf betten wir auf den Rucksack, den Rücken auf ein 30 x 90 cm großes Stück Isomatte. Für den Fall der Fälle, dass ein kühles Lüftchen weht, haben wir stets eine dünne, federleichte Fleece-Decke dabei. Nicht möglichst viele Gipfel zu besteigen, ist unser Ziel, sondern möglichst viele schöne Siestas zu halten. Deshalb reizte es mich auch nie, einen Fünf-, Sechs-, Sieben- oder gar Achttausender zu besteigen. Wo soll man denn in dieser Höhe ein angenehmes Schläfchen halten?

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