Mittwoch, 15. März 2017

Heimatwandern - Kraichgau

Früh im Jahr wandere ich gerne in der unmittelbaren Umgebung meiner Heimatstadt. Der Oberrheingraben liegt klimatisch günstig, die Buckel des Kraichgaus, die Ausläufer des Nordschwarzwaldes erreichen maximal 300 Metern Höhe, ebenso die "Bergdörfer" Karlsruhes, Ettlingens oder die der Kraichgaugemeinden. Es gibt mitunter schon im Februar milde Tage, später ist es hier zu warm oder gar zu heiß, um genussvoll zu wandern. Hier kann man schon in der ersten Märzhälfte die Menschen beobachten, wie sie ihre Gärten liebevoll pflegen, wie sie den Frühling begrüßen, geschäftig werden. Krokusse, Osterglocken, Schneeglöckchen, Huflattich - alles blüht. Dieser Tage wanderte ich von Weingarten (nördlich) von Karlsruhe kreuz und quer und ohne einer bestimmten Wanderroute zu folgen.
Schneeglöckchen (c) Matthias Kehle
Ich wollte irgendwie, irgendwann in Obergrombach landen, zwischen den Weinbergen Brotzeit und eine Siesta halten, auf dem Michaelsberg einen Kaffee trinken und dann weitersehen. Wandern in der Heimat hat für mich viele Vorzüge. Ich kann über die Äcker und Felder marschieren, und immer dann, wenn mir ein Weg schon bekannt vorkommt, einen Abzweig nehmen. So entdecke ich immer wieder neue Details meiner Heimat, etwa den Muschelkalk-Steinbruch Sohl nordöstlich von Weingarten, von dem ich noch nie vorher gehört hatte. Dass es im Kraichgau, der badischen Toskana, mehrere Meter hohe Felswände gibt, war für mich überraschend.
Steinbruch Sohl bei Weingarten (c) Matthias Kehle
 Wandern entschleunigt, das ist nichts Neues. Dreimal wanderte ich in der ersten Märzhälfte rund um Karlsruhe, mal allein, mal mit meiner Frau. Wie langsam die Natur erwacht, ist mir selten so sehr aufgefallen, wie in den ersten milden Märztagen dieses Jahres. Am Ende des Frühlings wird er wohl schnell vergangen sein, doch immer erscheinen die Bäume und Sträucher braun oder schwarz, obwohl ich seit zwei Wochen auf zartes Grün warte und beobachtete, wie die Frühblüher erst knospten und nun blühen. Nein, die Zeit rennt uns nicht immer schneller davon, im Gegenteil: Wer regelmäßig zu Fuß unterwegs ist, wird bemerken, wie langsam sie vergeht.

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